2000 Kilometer mit Baby an Bord!

 

 

Mein erster Trip mit meiner 2-monatigen Tochter.

Ich habe Sätze gehört wie: “Bist du verrückt?”, “Wie, du bist nicht geflogen?”, “Du bist die ganze Strecke allein gefahren?” und “Du hast sie nicht alle!”. Ausgelöst wurden diese Reaktionen bei meinen Bekannten nachdem klar war, dass ich mit dem Auto von Dänemark nach Deutschland gefahren bin, für 10 Tage Heimatbesuch. An sich absolut nichts spektakuläres aber die Tatsache, dass ich allein mit Liva (7 Wochen alt) die Kilometer geschruppt habe, hat den ein oder anderen geschockt. Aber ich wusste vorher alles, was ich wissen musste: Liva liebt das Autofahren und schläft super in ihrer Babyschale. Was also nach Kopenhagen (25 Minuten Fahrt) klappt, muss doch auch bis nach Stuttgart reichen, habe ich mir gedacht. 🙂 Ich hatte Zeit, Lust und den dringenden Wunsch Liva ihre Familie in Deutschland vorzustellen. Wenn ich mir jetzt im Nachhinein die zurückgelegte Strecke bei Google Maps anschaue stelle ich fest, ich hatte sie tatsächlich nicht alle. Mindestens 2000 Kilometer haben Liva und ich zusammen im Auto verbracht, aber natürlich nicht am Stück. Von Solrod ging es nach Gedser auf die Fähre um dann in Rostock weiter Richtung Sachsen zu fahren. Doch auch dort sollte unsere Reise noch nicht zu Ende sein, schließlich wollten wir auch die Verwandtschaft in Stuttgart besuchen. Aber der Reihe nach:

Allem voran ging ein wirklich harter Kampf mit der Deutschen Botschaft. Um mit Liva Dänemark verlassen zu können und nach Deutschland zu reisen benötigt sie einen Pass. Klingt einfach, ist es aber ganz und gar nicht. Kinder werden nicht mehr in die Pässe ihrer Eltern eingetragen, sie brauchen einen eigenen. Meine damals 3 Wochen alte Tochter musste also zum Fotografen, für ein biometrisches Passbild. Ich muss nicht erwähnen wie schwer es war sie dazu zu bringen ihre Augen zu öffnen, trotz der hellen Scheinwerfer und trotz der Tatsache, dass Kinder in diesem Alter gefühlt 23,5 Stunden am Tag schlafen und dabei für gewöhnlich die Augen schließen. Beim 3. Besuch im Fotostudio, zusammen mit 3 Helfern und einem feuchten Tuch, konnten wir Liva endlich einen einsekündigen Blick entlocken und KLICK, die Fotografin drückt ab. Eigentlich eine absolute Zumutung für den kleinen Wurm, der 2 Wochen später schon wieder ganz anders aussieht, aber gut! Nachdem wir alle Unterlagen wie: Aufenthaltserlaubnis, Gesundheitskarte, Geburtsurkunde von Liva und Vaterschaftsanerkennung zusammen hatten, durften wir einen Termin bei der Deutschen Botschaft in Kopenhagen machen. Natürlich wartet man auf diesen ein paar Wochen und wenn ein Dokument fehlt, darf man direkt einen neuen machen, wieder 3 Wochen später. Also kurz zusammengefasst: Es war eine riesen Herausforderung Livas Pass zu bekommen (schon aufgrund der ewigen Wartezeiten) und ich hatte ehrlich gesagt nicht das Gefühl, dass mir die deutsche Botschaft gern hilft. Vielleicht wären wir zu Silvester schon zu dritt nach Deutschland zur Familie gefahren aber so schnell hätten wir den Pass nicht bekommen. Ich hätte nie gedacht, dass das so ein Problem ist und ich nicht ohne Weiteres mit meinem Kind in die eigene Heimat reisen kann. Bei jedem meiner Anrufe auf der Botschaft habe ich mich irgendwie lästig und dumm gefühlt, allerdings nur, weil mir von der anderen Seite diesen Gefühl vermittelt wurde. Aber genug ausgeheult, Liva hat ihren Pass – Juhu! Also auf nach Deutschland.

1000 Kilometer bis nach Stuttgart klingt erst einmal sehr lang aber diese Strecke teilt sich super auf. Da wir zum einen Fähre fahren und zum anderen einen Stop bei meiner Familie in Sachsen haben, müssen wir diese Mammut-Tour nicht am Stück absolvieren, das hätte ich mir auch nicht zugetraut. Von unserem Zuhause aus ging es als erstes nach Gedser zum Fährhafen, nach anderthalb Stunden konnte ich Liva also das erste Mal aus ihrem Kindersitz nehmen und auf der Fähre hatten wir alle Freiheiten der Welt. Natürlich war es mir extrem wichtig, dass sie nicht die ganze Zeit im Maxi-Cosi liegt, diese sind bekanntlich auf Dauer nicht sonderlich rückenfreundlich. Die längere Strecke von Gedser nach Langenreinsdorf habe ich so gelegt, dass sie in Livas Schlafenszeit fällt und es hat hervorragend funktioniert. Kurz nach der Fährfahrt ist sie eingeschlafen und bei Oma und Opa im schönen Sachsen aufgewacht. Was für ein Vorzeigekind 🙂 Natürlich hätte dieser Trip auch völlig nach hinten losgehen können. Wir waren allein im Auto und Livas Sitz steht auf der Rückbank und gegen die Fahrtrichtung. Hätte sie geweint oder ihren Schnuller verloren, hätte ich jedes Mal von der Autobahn abfahren müssen um ihr zu helfen. Es hätte also eine sehr, sehr lange Tour werden können. Aber nein, die Zumba-Maus hat ihrer Mama den großen Gefallen getan und einfach alles verschlafen. War ich als Kind eigentlich auch so lieb und toll? Ich kann es mir nicht vorstellen. 🙂 Fliegen kam für mich übrigens nicht in Frage, weil ich einfach viel zu viele Sachen mitnehmen wollte. Von der Wickeltasche über den Kinderwagen, dänische Fressereien und Geschenke, all das hätte eine Privatmaschine und drei Angestellte erfordert. Außerdem war ja klar, dass es von Sachsen weiter nach Stuttgart gehen soll, damit wäre ich also wieder auf ein Flugzeug oder die Bahn angewiesen gewesen. Ich bin mir sicher, dass das deutlich stressiger geworden wäre und ich wäre auch in den Zeiten einfach viel unflexibler gewesen. Unsere Autoreise hatte den Vorteil, dass es nur einen groben und sehr flexiblen Plan gab. Damit konnte ich mich voll auf Liva einstellen und mir viel Zeit lassen.

Ich bin sehr froh, dass wir so einen problemlosen Ausflug hatten und ich mir vorher nicht so viele Gedanken wegen der vielen Kilometer gemacht habe. Man weiß doch erst was möglich ist, wenn man es versucht. Sicherlich werden einige Mütter die Hände über dem Kopf zusammen schlagen aber ich würde es immer wieder so machen. Es gab keine Nacht in der Liva nicht gut geschlafen hat, trotz der wechselnden Bettchen. Sie hat alles super weggesteckt und es ist mir wichtig, dass sie sich frühzeitig an unseren Lebensstil gewöhnt. Dazu gehören eben Besuche in der Heimat, solang wir im Ausland leben. Später wird es sicher nicht mehr so einfach sein solche langen Autofahrten allein mit ihr zu machen, dann möchte die Dame sicher bespaßt werden.

Im 2. Teil lest ihr wie der Trip weiter ging, warum ein Sturz den perfekten Heimatausflug fast versaut hätte, wie die Fähren für Babys ausgestattet sind, was ich beim nächsten Trip anders machen würde und wann Liva zum ersten Mal ins Flugzeug steigt.

Jetzt seid ihr mal wieder gefragt. Wann seid ihr das erste Mal mit Euren Kids verreist? Wohin und wie alt waren sie? Ich bin wieder sehr gespannt auf Eure Geschichten.

PS: Der Pass von Liva wurde weder auf der Hin- noch auf der Rückfahrt kontrolliert! 🙂

PS 2: Sie schläft so schön neben mir, während ich tippe. Womit habe ich dieses kleine Wunder verdient. <3

Hier lest ihr:

Die Geburt – Wenn alles anders kommt!

Mein Versuch Dänisch zu lernen.

Darum verzichte ich auf Brot.

 

 

 

14 Gedanken zu „2000 Kilometer mit Baby an Bord!

  • Februar 2, 2018 um 2:59 pm
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    Ach ich glaube das liegt alles auch an deiner Entspanntheit. Deswegen funktioniert es. Somit ist Liva auch entspannt! Trotzdem großer Respekt. Getraut hätte ich es mir nicht. Ich war allerdings auch noch nie in so einer Situation, hab ich doch die Lieben in der Nähe. Das erste Mal sind wir auf vierstündige Autofahrt gefahren, als Milan 4 Monate also war und es war kein Problem. Denke auch, dass es, wenn sie älter sind, anstrengender sein kann.

    Freue mich auf Teil2!

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  • Februar 3, 2018 um 11:26 am
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    Du bist einfache eine tolle Mama und Herr Z ist mit sicherheit ein ganz toller Papa 🙂 Kinder passen sich den Eltern an und so entspannt wie du bist, kann es nur so weiter gehen 🙂

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  • Februar 3, 2018 um 11:59 am
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    Dokumente als Deutscher in Dänemark… Was ein Spaß…. 😥
    Witzig finde ich, dass ich ebenfalls grade erst alleine mit den Zwillingen im Süden war. Und die waren nicht so brav wie dein Mäuschen. Übrigens wurde ich noch nie an der Grenze kontrolliert. Das dänische Kennzeichen hat vermutlich immer gereicht.
    Freu mich auf deine Fortsetzung.
    Liebe Grüße aus Aalborg,
    Meermond

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    • Februar 3, 2018 um 12:52 pm
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      Einmal wurde ich schon kontrolliert und deshalb war es mir einfach viel zu heiß ohne Pass nach Deutschland zu fahren. Wollte Liva schließlich gern wieder mit zurüxk nehmen. 🙂
      Dann werde ich mich noch einmal bei Liva bedanken, offenbar reagiert jedes Baby anders. Glück gehabt. 🙂

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  • Februar 3, 2018 um 12:22 pm
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    Ja, da hast du wirklich ein entspanntes Kind. Wir haben vor den Kindern einen Campingbus gekauft, wir lieben Camping. Aber auch weil wir auch weite Strecken zur Varwandschaft (Schweiz nach östliches Sachsen 😜). Tja unser Sohn fand das alles so gar nicht toll. Immer nur kurz geschlafen und dann viel Geschrei. Wir haben es ein paar mal versucht, weil wir dachten er muss sich nur dran gewöhnen. Naja. Nicht geklappt. Aber jetzt mit 2 fährt er sehr gerne Auto, wir wollen im Sommer auch alle zusammen (Baby auch noch) so nach Dänemark auswandern…

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    • Februar 3, 2018 um 12:28 pm
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      Und Thema Deutsche Botschaft: in der Schweiz hatten wir 3 Monate Wartezeit. Auf der Homepage stand rätsächlich über den Merkblättern “Von Nachfragen bitten wir Sie abzusehen”). Und die Merkblätter waren so formuliert, dass du ins Schwitzen wegen der Mehrdeutigkeit kommst. Übrigens stand bei uns (im Kleingedruckten): biometrische Bilder sind erst ab 6 Jahren notwendig. Wir haben das zu spät gesehen und uns auch abgemüht… Daheim, am Badfusdboden. Beim 2. Kind wollten wir fast die Bilder vom älteren Sohn nehmen, sehen sich so ähnlich und hey wie du sagst: ändern sich doch eh so schnell.

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      • Februar 3, 2018 um 12:56 pm
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        Noch schlimmer fand ich, dass nicht mal das dänische Kirchbüro wusste, was die Botschaft da verlangt. Als sie nett nachgefragt haben kam von der dt. Botschaft die Antwort an die dänischen Kollegin: “Ich erkläre es Ihnen gern zum 4. Mal!” Absolut peinlich so ein Verhalten aber leider nicht überraschend.

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        • Februar 3, 2018 um 1:52 pm
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          Oh Wahnsinn, wie peinlich. Aber dafür hattest du einen umso schöneren Heimatausflug! Finde es immer noch beneidenswert toll, wie du da durch Deutschland gekommen bist.

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  • Februar 3, 2018 um 12:39 pm
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    Hey Kristina, ich finde die Tour gar nicht so schlimm und wenn Deine Kleine Autofahren mag und dabei selig schläft, ist doch alles schick. Du kennst sie am besten und ein Staat sollte es seinen Müttern zugestehen, selbst zu entscheiden, was das Beste für das Kind ist. Und dabei sind wir beim eigentlichen Problem. Was erdreistet sich dieser Staat, einer Mutter solche Steine in den Weg zu legen, wenn sie das natürlichste auf der Welt möchte: den Nachwuchs Oma und Opa vorzustellen… Wo ist da UNSER VEREINTES EUROPA??? Wenn wir oder unser Partner wie bei Dir, frei unseren Job in Europa wählen können, dann sollte dazugehören, dass auch die Kinder frei mit Mama reisen können ohne Tingelei auf die Botschaft. Schon gemerkt? Liva ist Europäerin… Behandelt sie auch so, denn dann verstehen die Menschen endlich wie schön UNSER VEREINTES EUROPA sein kann. Schöne Grüße aus Griechenland.
    Mathias

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  • Februar 3, 2018 um 3:49 pm
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    Ich/ wir haben bereits mit unserem Sohn die Erfahrung gemacht, dass das alles kein Problem ist. Da ein Teil unserer Familie in Schleswig-Holstein lebt und wir in Göppingen/ Baden-Württemberg war es von Anfang an klar, dass diese Strecke einfach mehrmals im Jahr gefahren wird. Unser Großer war gerade drei Monate alt, da sind wir zum ersten Mal gefahren – völlig entspannt. Auch unsere Urlaubsfahrten nach Nordjütland sind nie ein Problem. Wir haben lediglich jetzt seit einem Jahr die Abfahrtszeit etwas dem Kind angepasst, sodass er immer noch die meiste Zeit schläft (er ist jetzt dreieinhalb). Meine Tochter Runa ist jetzt elf Wochen alt und ich ich werde mich demnächst auch alleine mit beiden Kindern auf die Strecke machen um die Uroma in Elmshorn zu besuchen. Leider muss dieses Jahr Dänemark ausfallen, aber auch das wird nächstes Jahr kein Problem werden. Man muss es einfach machen! 👍🏼
    Lg Kristina

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  • Februar 4, 2018 um 11:16 am
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    Ich habe dein Bericht über die Vorbereitungen und der erste Teil deiner Reise mit Vergnügen (und Kopfschütteln – Pass, Foto usw.) gelesen 🙂
    Als mein Sohn cirka 11 Monate alt war, bin ich mit meine Eltern auf Campingurlaub nach Schweiz gefahren (war alleinerziehender Mutter vom Anfang ab).
    Ich habe vorher den Arzt gefragt ob es Verantwortungsvoll von mir war, ob der kleine das schafft. Der hat mir gesagt, viel Flüssigkeit und einige Pausen – dann geht es.
    Dazu kam das immer einer auf der Rücksitz neben ihm war (wir haben uns mit dem Fahren gewechselt).
    Die Fahrt und das Urlaub ist ohne Probleme gelaufen. Ihm wurde Geschichten vorgelesen, vorgesungen und alles ging gut.
    Dazu kam das der kleine blonde Bub sehr viel Aufmerksamkeit von Leute bekam, so viele kleine Babys gab es da nicht damals. Er war von den vielen kleinen Bäche fasziniert, und sein Opa und er haben viele Ausflüge unternommen ( mit zusammen-klappbarer Sportswagen).
    Aber Hut ab vor dir, Du hast es ganz alleine geschafft 🙂

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  • Februar 6, 2018 um 1:13 pm
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    Oh ich find das gut. Wenn die innere Stimme sagt”ja” sollte man es tun. Ich war mit meinem 1. Kind als Studentin ständig unterwegs. Nach drei Wochen zur Mutti in die Heimat, dann nach Bremen zum Freund und wieder zurück nach Halle, und wieder von vorne. Alina war aber auch so ein Reisekind. Unsere 2. Tochter Nane mochte am Anfang nicht so gerne Auto fahren, ich glaube auch, jedes Kind ist anders. Fragt sich nur, wie man selber damit zurecht kommt……..

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