Die Geburt-wenn alles anders kommt!(3)

 

 

Danke PDA und Entschuldigung, an alle Beteiligten. 

So, der letzte Teil zu meiner Geburt steht in den Startlöchern. Für alle Neuleser, ich bringe Euch in 2 Sätzen auf den aktuellen Stand: Ich hatte eine klare Vorstellung wie meine Traumgeburt ablaufen würde, wann meine Tochter Liva auf die Welt kommen wird (nach der Prüfung) und natürlich werde ich keine PDA brauche. Wie bereits im ersten und zweiten Teil beschrieben ist genau NICHTS davon eingetreten und die Geburt war deutlich heftiger als ich dachte. Und nun weiter im Text:

Die möchtegern-starke Frau hatte sich also widerwillig für die PDA entschieden und nach (gefühlt) stundenlangen Belehrungen wurde mir endlich dieser Riesendraht in die Wirbelsäule geschoben. Dieses Bild entstand zumindest in meiner Fantasie. Zu meiner Entschuldigung muss ich sagen, dass  mir das Lachgas, von dem ich Euch berichtet habe, wahrscheinlich schon die Sinne völlig vernebelt hatte und die Schmerzen der Wehen haben dann den Rest zum Kopfkino beigetragen. Allerdings war es gut, dass ich die PDA so drastisch gesehen habe denn dadurch habe ich mich keinen Millimeter bewegt, als sie gesetzt wurde. Eigentlich undenkbar bei den Schmerzen und den ständigen Wehen aber der Ernst der Lage und das Risiko der PDA war mir trotz Nebelbirne und Ausnahmezustand bewusst! Nach ca. 45 Minuten war es endlich geschafft. Die PDA hat gewirkt und es war Zeit für eine Stärkung. Die Wehen waren jetzt zumindest wieder so erträglich, dass ich mein mitgebrachtes Gemüse essen konnte. Paprika im Kreißsaal, vor 45 Minuten dache ich noch sterben zu müssen-  DANKE PDA. Weitere 45 Minuten wurde mir diese heile Welt gegönnt – damit konnten auch Mr. Z und die Hebamme mal durchatmen- als plötzlich, ungeplant und deutlich zu früh die berauschende Wirkung der PDA nachließ. Auf der rechten Seite meines Bauches wurden die Wehen wieder wahnsinnig schmerzhaft und auf der linken Seite amüsierte ich mich über mein “gelähmtes” Bein. Die Betäubung hatte sich irgendwie zu sehr auf meine linke Körperhälfte konzentriert (auf der linken Seite lag ich inzwischen) und ich konnte mein Bein nicht mehr spüren. Bei jedem Drehen hatte mein Bein also jetzt einen persönlichen Assistenten. Man kann sagen ich wurde umgelagert, selbst konnte ich mich nicht mehr vom Fleck bewegen. Wenn keiner hinsah rutschte das Bein sogar von der Liege, wenigstens etwas zu lachen. Daraufhin wurde die Nadel in meinem Rücken noch einmal korrigiert und ich bestärkte die Hebamme darin nach dem Muttermund zu schauen. Sie war nicht überschwänglich optimistisch aber wir entschieden uns dafür zum Pressen überzugehen. ENDLICH, endlich konnte ich etwas machen! Ich hatte die Frauen in den anderen Kreißsälen schon schreien hören und war bereit für ein ähnliches Spektakel. In diesem Moment dachte ich: “Vielleicht hätte ich doch einen Geburtsvorbereitungskurs machen sollen.”

Ich hatte also keine Ahnung was auf mich zukam aber die Hebamme war (einmal mehr) brillant. “Wenn eine Wehe kommt pressen!”. Nichts leichter als das. Bei der nächsten Wehe legte ich mich also ins Zeug, immerhin wollte ich nicht wie der volle Schlaffi dastehen. Nach dieser Wehe klang die Hebamme plötzlich sehr zuversichtlich und sagte: “Das war sehr sehr gut, bei der nächsten gleich nochmal.” Sagt sie das jetzt weil ich es hören will oder passiert wirklich endlich etwas? Das Pressen fiel mir total leicht und tat im Gegensatz zum Rest überhaupt nicht weh. Also bei der 2. Wehe wieder voller Elan! Während ich mich also ins Zeug legte um endlich Richtung Ziellinie zu kommen sagte sie plötzlich bei Wehe 2: “Ich sehe ein Köpfchen mit schwarzen Haaren.” Bitte was?? So nah war die Ziellinie schon? Jetzt wurde noch etwas gehechelt und nur manchmal gepresst und ZACK, da war sie! Unsere wunderschöne Liva erblickte 3.03 Uhr das Licht der Welt. Was für ein Gefühl. Beschreiben kann ich es bis heute nicht, ich war erleichtert, fertig, überfordert, glücklich – alles. Nach einem kräftigen Schrei hat sich die kleine Zumba-Maus sofort beruhigt und es sich auf meiner Brust bequem gemacht, es war geschafft. An dieser Stelle möchte ich noch bekannt geben, dass mich die Hebamme zu Press-Weltmeisterin ernannt hat, da scheine ich ein Talent zu haben 🙂 Da mich die Wehen aber zwischenzeitlich fast umgebracht haben, strebe ich keine Karriere als Leihmutter an. Aber vielleicht berate ich Frauen zum Thema Beckenbodentraining.

Als Dänemarks erste Pressing-Weltmeisterin (Mr. Z hätte mich sicher zu gern in seinem Team) möchte ich mich natürlich, wie bei jeder Preisverleihung üblich, bei meinen Unterstützern bedanken. Mein besonderer Dank gilt den beiden Hebammen, die mir während der Geburt zur Seite standen. Ich denke der Schichtwechsel hat es (mich) für sie erträglich gemacht. Ohne ihre Tipps und ihr Verständnis wäre ich sicher noch viel häufiger ausgeflippt. Was für ein Job, so hart und wichtig zugleich. Ich weiß nicht ob es noch ein anders Berufsbild gibt, bei dem man ständig beschimpft wird oder von schreienden Menschen umgeben ist, obwohl man nur helfen will. Doch, bei Lehrern ist es ähnlich. Hart waren diese Stunden sicher auch für meinen Mr. Z aber er hat es hervorragend gelöst. Er war da wenn ich ihn gebraucht habe und war auf Sicherheitsabstand wenn ich meine Ruhe wollte. In einigen Texten, die ich vor der Geburt gelesen habe stand, dass Frauen ihren Männern während der Geburt körperlich wehtun, das blieb bei uns aus. Zeitweise durfte sich Mr. Z nicht auf einen Meter nähern. Dafür durfte er sich ständig den Satz anhören: “Frag wie lang es noch dauert.” oder musste auf dem Wehenschreiber schauen, wie stark die veratmete Wehe war. Ich wollte dann immer hören, dass sie noch stärker als die vorhergehende war. Damit glaubte ich schneller am Ziel zu sein. Unfassbar, dass er selbst im Kreißsaal ehrlich ist: Mr. Z: “Naja, die war jetzt eigentlich nicht so stark.” Ernsthaft??? Warum scheint sie mir dann alles zu zerfetzen? Aber so ist er eben. Sein erster Kommentar nach der Geburt war: “Oh Gott ist die hübsch.” Ich nehme an, dass er nicht mich gemeint hat. Schaut man sich die kleine Liva an, wird einem auch schnell klar, warum der Papa sie so zauberhaft findet: Sie hat absolut nichts von mir, 100 Prozent Mr. Z, nur eben in hübsch. 🙂

Nach den ersten Geburtstexten habe ich so tolle Reaktionen und Kommentare von Euch erhalten, dass ich diese auf jeden Fall noch in einem Blogbeitrag zusammentragen möchte. Für mich steht aber fest: Jede Frau hat andere Schmerzen bei einer Geburt und doch erkennt man sich bei einigen Worten sofort wieder. Worte wie: Wunder, Wut, Überwältigend, Hilflosigkeit, abartige Schmerzen und “die Geburt ist ein Arschloch” habe ich immer wieder gehört und möchte hiermit jedes davon unterschreiben.

PS: Ich würde es immer wieder tun!

Hier geht es zu:

Die Geburt Teil 1

Die Geburt Teil 2

Meine Traumgeburt

Hilfe! – ich werde Mama

9 Gedanken zu „Die Geburt-wenn alles anders kommt!(3)

  • Januar 13, 2018 um 1:43 pm
    Permalink

    Hach wie toll! Ein geniales Finale . Applaus an alle Beteiligten, besonders an dich! Tapfer hoch 3!

    Antworten
  • Januar 13, 2018 um 6:30 pm
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    Das hast aber wieder toll geschrieben 😊

    Antworten
  • Januar 13, 2018 um 10:28 pm
    Permalink

    Ich hätte sehr gerne eine Beratung zum Beckenbodentraining 😉😊

    Antworten
  • Januar 14, 2018 um 11:14 am
    Permalink

    Wieder einmal eine spannende Bericht. Mir ist fast der Atem stockengeblieben. Aber gut, sehr gut geschafft.
    Ausserdem hat dein “Mr. X” noch ein Stern bei mir bekommen. Er ist nicht nur ein sehr, sehr guter und populärer Trainer, sondern auch ein guter Geburtshelfer .
    Wenn man ihm im Fernsehen über seine Tochter reden hört spürt man wie sehr sie ihm bedeutet ( und Du Kristina auch).
    Ich hoffe Ihr bleibt noch viele Jahre in Dänemark.

    Antworten
  • Januar 19, 2018 um 2:01 pm
    Permalink

    Wuhhuuu. Da vergisst man beim Lesen fast schon das Atmen, obwohl man auch mit hecheln könnte^^ auch von mir noch herzlichen Glückwunsch zu eurer Tochter.
    Wer hätte das damals gedacht…ich jedenfalls nicht, als wir noch als Nachbarinnen im Wohnheim von Mittweida auf dem Balkon standen und über alles mögliche sprachen, aber nicht übers Kinderkriegen… im Mai ist es nämlich auch bei mir soweit 😉

    Ganz liebe Grüße, Kristin.

    Antworten
    • Januar 19, 2018 um 2:33 pm
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      Du wirst auch eine Mama??? Wie toll ist das denn! Herzlichen Glückwunsch und nur das Beste für Euch. Ich möchte bitte einen Geburtsbericht 😀

      Antworten
      • Februar 2, 2018 um 8:08 am
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        Danke Danke ^^ ich bin auch schon sehr gespannt wie nie oder doch fern Theorie und Praxis beieinander liegen werden 😀

        Antworten
  • Februar 9, 2018 um 8:01 am
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    Herzlichen Glückwunsch zur Geburt eurer Liva! Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt hat auch bei mir vor fast vier Wochen gepasst. Ganz gleich wie intensiv die Vorbereitung auf die Geburt ist, es ist doch unvorstellbar was man für einen hohen Berg überwindet. Wir sind alle Superheldinnen!

    Antworten
    • Februar 9, 2018 um 8:15 am
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      Du hast es hervorragend auf den Punkt gebracht. 😊
      Glückwunsch auch an Dich. 😍

      Antworten

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