Wie verändert mein Baby mein Leben?

 

Zwischen Schmuck und Toilettengang – jetzt bist du der Boss!

Ich habe in dieser Woche mein erstes Interview in einer dänischen Zeitung gegeben. An dem Tag, für den sich der Redakteur angekündigt hat, war Liva richtig schlecht drauf. Wir sind mittendrin im Schub um den 4. Monat und die sonst so pflegeleichte kleine Motte steht Kopf und nimmt Mami mit! Mit viel Gemecker und einem ungeplanten Spaziergang zur Beruhigung haben wir das Interview dennoch erfolgreich hinter uns gebracht. 3 Tage später kam auch der Fotograf, natürlich war Liva auch an diesem Tag besonders schlecht drauf, wolle keinen Millimeter von meine Seite weichen und fand sogar das Spazierengehen richtig doof. Früher hätte ich gedacht in so einer Situation werde ich unruhig, nervös, sauer oder ich verzweifele komplett aber nichts von alle dem ist eingetreten. Ich habe einfach geschaut was meiner Maus in diesem Moment gut tut, was sie braucht und der Rest wurde drum herum gebaut. Fakt ist, das alles hat mich nicht gestört, denn sie ist jetzt mein Boss. Das klingt vielleicht erstmal schräg aber ich erkläre euch, warum das für mich völlig ok so ist und was mir gerade fehlt, als Neumama.

Normalerweise hätte ich mich auf das Foto-Shooting am Strand stundenlang vorbereitet. Lange duschen, Haare machen, toll schminken und am besten auch gleich noch die Nägel auf Hochglanz bringen. Das Outfit muss natürlich auch passen und am liebsten probiere ich so lang Kombinationen aus bis ich zufrieden bin. Früher war das so, jetzt bin ich Mami. Liva hatte etwas gegen meinen Beauty-Plan und hat sich an diesem Tag nur auf meinem Arm oder fahrend in ihrem Kinderwagen wohlgefühlt, schlafen war gar nicht drin. Wie ihr wisst lebt meine Familie nicht im gleichen Land und Mr. Z war arbeiten. Ich war also allein auf weiter Flur. Natürlich hätte ich mir Hilfe aus der Nachbarschaft oder aus der Muttergruppe gesucht, wenn ich das gewusst hätte aber Liva ist sonst tiefenentspannt und macht alles mit. Sie wollte mich an diesem Tag einfach mit ihrer schlechten Laune überraschen 🙂 Meine zauberhafte Nachbarin Kirsten, meine dänische Wunsch-Oma für Liva, ist dann glücklicherweise kurzfristig eingesprungen und hat mich super unterstützt und Liva bespaßt, wenn es es eben nötig war. Dieser chaotische und dennoch sehr erfolgreiche Tag hat mich zu diesem Text animiert. Was kann man eigentlich nicht mehr machen, wenn man Mama ist? Wie viel ändert sich in den ersten Monaten? Was fehlt mir?

Wenn ich so darüber nachdenke wird mir klar, dass die meisten Sachen so richtig oberflächlich sind und trotzdem fallen sie mir ein, weil ich 30 Jahre nicht darüber nachdenken musste. Dinge wie die Haare offen tragen oder Schmuck anlegen – keine Chance! Sobald ich keinen Zopf oder Dutt habe, sind Livas kleine zauberhafte Händchen mittendrin im Haupthaar. Sie hält sich daran fest als würde es um ihr Leben gehen. Wenn ich es dann doch schaffe ihre kleine Hand zu entfernen, kleben zwischen den zahlreichen Fusseln, die ja einen Dauermietvertrag zwischen den Wurstfingern haben, meine schönen braunen, langen Haare. Gerade jetzt, wo diese nach der Schwangerschaft sowieso büschelweise ausfallen. Deshalb Dutt rein und gut, der Look “Sexy Hausfrau” quasi. 🙂 Auch Schmuck birgt erhöhtes Festhalte-Potential. Wenn ich mich nach wochenlanger Abstinenz doch mal wieder für meine Kette entscheide, weiß ich spätestens nach dem Stillen, dass das immer eine doofe Idee ist. Mein kleines Klammeräffchen findet sie immer und hält sich genüsslich daran fest. Ich möchte mir gar nicht vorstellen was passiert wenn ich Kreolen tragen würde – AUA! Zum Glück scheint mich Liva auch ohne Schmuck hübsch zu finden, zumindest sagst mir das ihr zauberhafter verliebter Blick, den sie mir so oft zuwirft. Ich liebe es!

Besonders peinlich achtet Liva übrigens auf meine Figur. Wenn ich einkaufe ist sie super lieb, schläft oder schaut gespannt zu. Wenn ich die Sachen Zuhause auspacke ist sie super lieb, schläft oder schaut gespannt zu. Wenn ich koche und Salat schneide ist sie super lieb, schläft oder schaut gespannt zu. Wenn ich alles liebevoll auf den Tisch stelle und die Getränke dazu vorbereite ist sie super lieb, schläft oder schaut gespannt zu. Sobald ich sitze und das Besteck in die Hand nehme um zu essen ist sie nicht mehr lieb und möchte weder zuschauen noch schlafen. 🙂 Das kleine Monster sitzt am liebsten auf meinem Schoss wenn ich esse oder langweilt sich nach kürzester Zeit tierisch. Dadurch haben sich meine Essenszeiten in den letzten Wochen deutlich reduziert und ab und zu erfolgt sie Nahrungsaufnahme eben erste wenn das Essen kalt ist und das Mäuschen im Bett. Ich gebe also zu: Ab und an fehlt es mir ganz in Ruhe zu essen. 🙂

Da ist noch etwas, nämlich die normalste Sache der Welt, die mir wirklich sehr fehlt: Allein aufs Klo gehen! Dabei handelt es sich hier deutlich um ein Luxusproblem denn ich weiß, dass es Muttis gibt, die können nicht mal in Ruhe duschen oder sich schön machen. Da kann ich mich jedoch überhaupt nicht beschweren. Wenn ich im Bad bin schaut Liva ganz interessiert zu und beobachtet jeden meiner Schritte. UND GENAU DAS möchte ich nicht, wenn ich auf Toilette bin. Dabei beobachtet zu werden ist echt verrückt und ich habe immer das Gefühl ihr etwas erzählen zu müssen oder das Bedürfnis mich zu entschuldigen. Deshalb hat wohl die Natur entschieden, dass man sich nicht mehr an sein erstes Lebensjahr erinnern kann, wenn man erwachsen ist. Das muss einfach der Grund sein. 🙂 Ab und zu lasse ich sie mittlerweile auch kurz auf ihrer Sportmatte allein liegen, dort unterhält sie sich köstlich selbst. Vor einer Woche hat sich Liva das erste Mal gedreht und ist so begeistert, dass sie am liebsten nichts andres mehr machen möchte. Wenn sie sich dabei allerdings mal wieder ihren Arm verdreht oder anderweitig irgendwo feststeckt und ich bin in diesem Moment auf Toilette, dann haben wir beide ein großes Problem. Deshalb nehme ich sie lieber mit, mit allen Konsequenzen für uns 🙂

Ich finde dieses Beispiel rundet erst einmal perfekt die ganz kleinen Dinge ab, die mir ab und zu fehlen. Das alles ist natürlich kein Vergleich zu dem, was ich jeden Tag von meinem Baby zurück bekomme. Irgendwann werde ich all die genannten Dinge wiederbekommen, weil Motti dann groß ist. Ich werde Schmuck ohne Ende tragen, werde meine Wallemähne (wenn sie dann noch wallt) offen präsentieren, werde stundenlang dinieren und menschenseelen allein die Toilette besuchen. Was allerdings nie zurück kommt ist die unglaublich tolle Zeit mit meiner knapp 5 Monate alten Tochter und deshalb ist sie im Moment der Boss und ich liebe es, dass es so ist!

Mir fallen schon jetzt auf Anhieb 5 weitere Dinge ein, die mir ab und zu fehlen. Zu den Themen wie Durchschlafen, Ausgehen und Rückenschmerzen komme ich dann aber im nächsten Teil. Jetzt seid ihr dran, was fehlt euch am meisten oder woran erinnert ihr euch noch, als eure Kids klein waren? In welche Richtung ändern sich diese “Problemchen” wenn sie größer werden? Egal ob groß oder klein, lass es mich wissen!

Hier lest ihr:

Die Geburt meiner Tochter. Wenn alles anders kommt.

Briefe an mein Baby.

Der Name Liva.

Mein Leben in Dänemark.

Der Konkurrenzkampf unter Müttern.

 

 

4 Gedanken zu „Wie verändert mein Baby mein Leben?

  • April 21, 2018 um 10:56 am
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    Du triffst es auf den Punkt!

    Mir fehlte auch das alleine essen und die ruhigen Klogänge, sowie abends ausgehen. Wusste aber, es kommt wieder. Und ich finde zu einem zu hohen Preis: Die Kinder werden groß. Das ist natürlich erstrebenswert und wunderbar, aber auch wehmutbeladen. Bei jedem Geburtstag entfleucht mir eine Träne: aus Stolz und aus Trauer.

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  • April 21, 2018 um 11:36 am
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    Es sind kleine Dinge die ich gerade vermisse und größere: vom Haare offen tragen, allein aufs Klo gehen.. essen gehen..ins Kino. Überhaupt spontan irgendwo hin fahren. Aber all das kommt wieder und ist daher egal. Das Schönste ist mein kleiner Mann und unsere gemeinsame Zeit. Zu sehen wie er jeden Tag mehr kann und sein herzliches Lachen – das ist das Allerwichtigste.

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  • April 22, 2018 um 5:26 pm
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    Ich kann mich nicht an die Probleme damals erinnern, war alleine mit meinem Sohn von Geburt an. Ich denke ich habe mir die Freiheit genommen ohne ihn auf Toilette zu gehen – hehehe.
    Sonst musst Du wohl die Zeit wenn Papa zu Hause ist und Dich entlasten kann. Und glaube mir irgendwann in Jahren vermisst Du die Zeit 🙂

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  • April 23, 2018 um 2:08 pm
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    Ich gönne mir auch eher nur noch sehr selten Zeit für mich allein.
    Aktuell dusche ich fix vormittags, wenn mein „Großer“ im Kindergarten ist und Erni im Wagen schlummert.
    Mal abends in Ruhe ohne ein ständiges „Mama“ oder 2 an der Scheibe klebenden Mini-MEs zu duschen – nicht möglich.
    Und ja, beim Toilettengang ist es leider ganz genauso. 🤭🙈🙈🙈 …
    Sonntag mal wieder ausschlafen wäre irgendwie schön!
    Und ich vermisse komischer Weise, mir abends einfach mal die Nägel zu lackieren. (ABER das probiere ich erst gar nicht, denn ich werde wohl den 10. Nagel bemalt haben und schon wird mich eines der Kinder brauchen.)

    ABER all das kommt wieder.
    Und was ist das schon!? Diese Kleinigkeiten sind KEIN Grund, sich zu beschweren.

    Genieße diese wunderschöne Zeit mit eurer LIVA 💖, denn sie kommt nie wieder!

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