Mein Versuch Dänisch zu lernen. (Teil 2)

 

10 Nationen in einem Klassenzimmer vereint. 

Ich habe mich zwar schon damals in der Schule gegen Technik und Wirtschaft entschieden, um mich im Bereich Sprachen weiterzubilden aber geblieben ist nicht viel. Meine zweite Fremdsprache war Französisch. Was soll ich sagen, wir haben uns nie angefreundet. Mit einer schlechten 4 habe ich damals abgeschlossen und heute kann ich mich höchstens noch vorstellen, also den Namen sagen, beim Alter hört es schon auf. Keine erfreuliche Bekanntschaft also. Natürlich war ich aber auch selbst Schuld. Mit den Sprachen ist es meiner Meinung nach wie mit Mathematik, wenn man einmal den Faden verloren hat, ist man verloren. Es baut so viel aufeinander auf und natürlich sollte man auch Vokabeln beherrschen. Wahrscheinlich war ich einfach zu faul. Dennoch würde ich mich beim Sprachen lernen als talentfrei bezeichnen, nichts fliegt mir zu, alles muss ich mir hart erarbeiten. Bei mir reicht es eben nicht, das Wort einmal zu hören. Was für eine schwachsinnige Idee war es also, nach meinem Umzug nach Dänemark mit einem Sprachkurs anzufangen?! Jetzt im Nachhinein stellt sich heraus, so dumm ist diese Idee nicht, auch wenn ich weiter leide und viiiiel üben muss.

Nach meinem ersten Teil zum Thema Dänischunterricht war ich begeistert von so viel Feedback durch euch. Meine Überzeugung und mein Mut dran zu bleiben sind auch dadurch gestiegen, dass ihr meine Startschwierigkeiten so gut kennt und auch teilweise selbst erlebt habt. Eigentlich müsste man es doch als Deutscher wirklich leicht haben. Grammatikalisch ähneln sich die beiden Sprachen sehr. Selbst wenn man als blutiger Anfänger einen dänischen Text liest, kann man Zusammenhänge gut erfassen, weil man viele Worte wiedererkennt. So geht es mir auch. Nach den ersten beiden Monaten Dänischkurs, verstehe ich Texte besser und schneller als der Rest der Klasse.  Auch beim magischen Wort “Inversion” bin ich ganz vorn mit dabei, weil wir im Deutschen unsere Fragen und Sätze genauso bilden. ABER ich bin so schlecht im Sprechen und Verstehen. Im Teil 1 wurde dieses Problem ja schon erörtert, die Dänen schreiben ein Wort und sprechen ein anderes. Das kratzt gewaltig am Ehrgeiz. Rein von den Vokabeln her müsste man den Satz ohne Probleme verstehen. Leider versteht man aber die einzelnen Worte gar nicht erst, um sie dann übersetzen zu können. Meine Lehrer fordern mich jede Woche zur Geduld auf, auf dänisch natürlich 🙂

Mal abgesehen von der Sprache, die ich im Sprachkurs immer besser lerne, ist diese “Multikultitruppe” eine absolute Bereicherung für mich. 10 Nationen, in einem Klassenzimmer vereint. Zwischen Syriern, Türken, Polen, Somaliern, Thailändern, Philippinas und Schülern aus dem Irak, lerne ich so viel mehr über die Kulturen in der ganzen Welt, Weltansichten, weltweite Politik und oft merke ich, wie gut es uns geht, egal ob in Deutschland  oder in Dänemark. Gerade in den Pausen, wenn auch einmal über aktuelle Ereignisse in der Heimat gesprochen wird ist es nicht ungewöhnlich, dass jemand in Tränen ausbricht. Eine Vielzahl der Familienmitglieder sind noch in den Ländern, in denen Giftgasanschläge stattfinden oder Bomben fallen. Unvorstellbar. Aber es gibt eben auch die Momente, in denen die wir stolz sind etwas aus unserer Kultur zu erzählen oder diese sogar mit ins Klassenzimmer zu bringen. Beim großen gemeinsamen Mittagessen hat sich jeder die Arbeit gemacht typische Speisen aus seiner Heimat mitzubringen. Bei mir war es Kartoffelsalat, er kam gut an. 🙂 Ich war wirklich überfordert mit der Frage, was typisch deutsches Essen ist. Regional ist das sicher einfacher (Weißwürste, Maultaschen etc.) aber was ist typisch Deutsch? Dann will man ja auch nichts falsch machen, kocht lieber ohne Schweinefleisch. Ich bin bereit für eure Vorschläge, was hättet ihr mitgenommen? Jeder hat an der großen Tafel sein Essen vorgestellt, unmöglich alles zu verstehen oder sich zu merken. Aber die Vielfalt kann man ja auf den Bildern erahnen. Es war wirklich eine tolle Runde und das Essen super lecker. Nur an die “Teeeier” aus China habe ich mich nicht ran getraut (siehe Bild). Das sollen wohl in Tee eingelegte Eier sein (ungeschält) die am Ende leicht säuerlich und salzig schmecken. Da habe ich mich lieber über die Frühlingsrollen her gemacht 🙂

Als ich mich dazu entschieden habe Dänisch zu lernen, war das aus freien Stücken und einfach, weil ich die Sprache mag und das Land lieben. Ich möchte etwas zurück geben. Bei vielen meiner Mitschüler ist der Druck dahinter deutlich größer, sie wollen auch in ihrer neuen Heimat Arbeit finden, machen nebenbei schon Praktikum oder kümmern sich um ihre Kinder. Nicht jeder hat die Möglichkeit wie ich, in seiner Muttersprache zu arbeiten. Einige sind auch wegen der Liebe nach Dänemark gekommen, versuchen jetzt durch die Sprache besseren Anschluss zu finden. Wir erfahren jeden Tag mehr voneinander und schon dadurch ist der Dänischunterricht eine absolute Bereicherung für mich.

PS: Den Vortest zum Modultest habe ich mit 100 Prozent bestanden und bin hochgestuft wurden, allerdings war dieser ohne sprechen 🙂 Es wird also!

Wodurch wir weit mehr über Dänemark lernen, als nur die Sprache; Ob die Lehrer so streng sind wie in der Schule; Wie schwer es mir fällt die Namen meiner Mitschüler richtig zu sagen und was mein Jahresziel ist, all das lest ihr im dritten Teil. Ich freue mich wie immer über euer Feedback, vor allem zum Thema Dänisch lernen und typische Deutsche Gerichte, das fließt natürlich auch in den neuen Text ein.

Hej hej, Kristina.

Lest hier den dritten Teil!

3 Gedanken zu „Mein Versuch Dänisch zu lernen. (Teil 2)

  • Mai 13, 2017 um 1:27 pm
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    Machst Du klasse meine kleine Deutsch-Daenin 😉

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  • Mai 14, 2017 um 7:24 am
    Permalink

    Kære Kristina, ich kann das alles sehr gut nachempfinden, weil es mir ähnlich geht. Seit einigen Jahren schon versuche ich dänisch zu lernen und kann aus dem dänischen komplizierte Texte übersetzen. Aber verstehen kann ich die Dänen nicht. Mental schon, aber eben nicht “akustisch” 🙂 Seit einem Jahr unterrichte ich Migranten in deutsch und habe ähnliche Erfahrungen gemacht, nur eben aus Sicht einer Lehrerin. Dabei hilft es mir, selber auch diese Situation zu kennen, Schüler zu sein und nichts zu verstehen. welhellerdepodänsk? Ich mag die Bildersprache der Dänen und den Humor. Aber ich werde wohl nie die Präpositionen lernen. Und ob ich einen schnell sprechenden Dänen jemals verstehen werde? In den Urlaubsgebieten der Nordsee sieht das so aus: ich spreche mit Dänen dänisch und sie antworten auf deutsch. Manchmal sind sie irritiert und denken, vielleicht ist sie Polin oder Holländerin…. aber sobald sie mitkriegen, woher ich komme, ist es vorbei mit dänisch. So höflich, diese Menschen 🙂 Aber unsere dänischen Freunde sind der Meinung, ich mache Fortschritte….. Ich wünsche Dir weiterhin viel Spaß beim Lernen und falls Du irgendwie dahinter kommst, wie man leichter versteht, lass es mich wissen.

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    • Mai 15, 2017 um 7:47 am
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      Liebe Bettina, ich werde es dich auf jeden Fall wissen lassen, wenn ich dahinter gekommen bin. Danke für deinen lieben Kommentar, Fortschritte macht man immer, wenn man dran bleibt. Ich wünsche Dir weiterhin ganz viel Erfolg. Mein nächstes Opfer werden meine Nachbarn sein, sie reden bewusst, langsam und deutlich mit mir. Vor Angst vergesse ich dennoch alles 🙂

      Antworten

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