Zwischen Schlagstöcken und Helau!

 

Mein erster Karneval in Dänemark.

Ja, ja, es muss mal wieder eine reißerische Bildüberschrift sein und dennoch steckt viel Wahrheit darin. Ich habe mit meinem diesjährigen Text zum Thema Karneval extra gewartet bis alle wieder nüchtern sind. Wie ihr wisst bin ich ein Faschingsnarr durch und durch. Ob ich wollte oder nicht, ich habe es mit der Muttermilch aufgesaugt. Mein Vattke war Chef des Langenreinsdorfer Faschingsclub (LFC), meine Schwester hat dort getanzt, die coolsten Jungs des Dorfs waren Mitglieder und es gab nichts tolleres als die Samstagabend-Veranstaltungen, die Straßenumzüge oder die Sommerfeste unter ebenfalls sehr gestörten Menschen. Letztes Jahr habe ich mich dann auch tatsächlich aus Dänemark auf den Weg ins Dorf gemacht, um doch noch einmal den heimischen Fasching zu genießen. Was dort los war, lest ihr hier. Doch in diesem Jahr wollte ich meinen ersten dänischen Karneval erleben und es gab Höhen und Tiefen.

Zu den absoluten Tiefen gehört die Tatsache, dass es hier keinen typischen Schlachtruf gibt. Auf mein schallendes “Langenreinsdorf Helau” wollte wirklich keiner eingehen und bei meinem übermotiviertem “Alaaf” wurde ich nur fragend von den Dänen beäugt. Verwirrt gucken kann jeder aber einen eigenen Schlachtruf gibt es hier nicht, kaum vorstellbar! Man muss ganz klar feststellen, dass die Dänen KEIN närrisches Volk sind und dennoch hatte ich eine richtig gute Zeit. In Dänemark heißt der Fasching/Karneval: Fastelavn. Als ich mich in meiner Nachbarschaft umgehört habe, um herauszufinden, wie die Dänen Fasching feiern, gab es eine Tradition von der alle sprachen: “Slå katten af tønden”, was soviel heißt wie “Die Katze aus der Tonne schlagen”. Dabei schlagen Kinder der Reihe nach mit einer Holzkeule auf ein aufgehängtes, mit Süßigkeiten gefülltes Fass. Wer den Boden aus dem Fass schlägt, wird zur Königin gekrönt und wer das letzte Holzstück herunter schlägt, ist der König. Die Tonnen sind dabei in verschiedene Altersgruppen aufgeteilt. Die Kleinsten kämpfen gegen Papp-Tonnen an und je älter die Kids werden, umso stabiler sind auch die Tonnen aus Holz. Ihr macht euch keine Vorstellung wie viel Arbeit das für die Mini-Narren bedeutet. Es war wirklich unglaublich niedlich den Eisprinzessinnen, Monstern, Rittern oder Drachen bei der “Arbeit” zuzusehen. Wie immer gab es große Unterschiede bei der Umsetzung und den Schlagtechniken. Leider muss ich zugeben, dass manche Mädchen nicht mal die Tonne getroffen haben. 🙂 Überehrgeizige Jungs dagegen haben sich nicht an die “Jeder-nur-einen-Schlag-und-dann-den-Stock-weiter-reichen-Regel” gehalten. Bei Erwachsenen wäre es wahrscheinlich ganz genauso abgelaufen. Nachdem aus allen Altersgruppen die Königinnen und Könige gefunden waren, gab es auf der Bühne die große Krönung. Dieser Brauch des “Tonnenschlagens” ist definitiv eine Bereicherung und ich werde nächstes Jahr ein paar Tonnen und Schlagstöcke nach Deutschland schicken. Vielleicht können wir ja so unser Prinzenpaar bestimmen. Ich bin mir sicher, dass das der Renner beim Kinderfasching wird! Was mir allerdings sofort aufgefallen ist war, dass wirklich nur die Kinder verkleidet waren. Kein einziger Erwachsener hatte ein Kostüm an oder wenigstens ein lustiges Hütchen auf. Außerdem gab es keine Musik. Es gibt doch so wunderbar schrecklich schlechte Faschingsmusik. Mein “Lieblingslied” findet ihr unter dem Text aber Achtung, es ist völlig daneben und nichts für KInder. 🙂 Dementsprechende bin ich natürlich mit meinem geschmückten Kinderwagen aufgefallen. Liva ist mit ihren 10 Wochen und bei 0 Grad und eisigem dänischen Wind noch zu klein für ein Kostüm, deshalb habe ich meinen kreativen Erguss am Kinderwagen ausgelassen. Die Dänen waren verwundert aber entzückt. Sicherlich hätten wir damit den Preis für das beste Kostüm absahnen können, in der Altersgruppe Ü18 ganz sicher! So schön das “Tonnenschlagen” auch war, ich habe deutlich gespürt wie sehr ich den Fasching zu Hause vermisse. Der Knall der Kanone, den Hallamarsch, die Aufregung vor dem großen Austritt, die sinnlosen Gespräche an der Bar, die viel zu kurzen Nächte, bis es wieder zum Saalaufräumen geht. Dieses Jahr gab es leider nur Sparflammen-Fasching für mich.

Ich will Kostüme und Luftschlangen sehen, schlechte Faschingsmusik hören. Nichts leichter als das! Aus unserm geplanten Raclette-Essen mit Freunden am Faschingsdienstag  wurde kurzerhand eine Mottoparty zum Thema “Fasching”, mit Freunden. Ihr könnt euch vorstellen wie begeistert unsere Gäste waren. Aber ich fand meine Idee großartig und es haben sich alle daran gehalten. Aber es war so schwer Kostüme zu finden. Einen einzigen Kostümladen konnte ich in Kopenhagen ausfindig machen. Eine richtige dänische Faschingsparty konnte ich also dieses Jahr noch nicht finden oder erleben, vielleicht bin ich nächstes Jahr schlauer. Bis dahin, bleibt närrisch, auch ohne Fasching!

PS:

An alle Dänen und Dänemark-Kenner hier auf dem Blog: Habt ihr einen Tipp, wo ich in Dänemark so richtig die Karnevals-Sau raus lassen kann?

Hier lest ihr:

Einfach nach Dänemark auswandern.

Die kleine Meerjungfrau in Kopenhagen.

Mein erstes Sankt-Hans-Fest

Mein erstes Weihnachten in Dänemark.

 

 

 

2 Gedanken zu „Zwischen Schlagstöcken und Helau!

  • Februar 18, 2018 um 10:21 am
    Permalink

    Eine tolle Wiedergabe davon, wie unser Fasching in Langenreinsdorf abläuft und sich anfühlt. Dieses Jahr habe ich versucht, mich an deiner Stelle im Programm bei den Gästen “unbeliebt” zu machen. Ich hoffe auf deine Unterstützung im nächsten Jahr. Ein Trio Jenny-Kristina-Mady würde den Langenreinsdorfer Saal sicher zu beben bringen. Helau ihr Narren und von Herzen alles Gute! “Dein” Lieblingslied habe ich dieses Jahr selbst bei uns vermisst.

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