Mein erstes Mal auf Ski

 

Zwischen Tellerlift, italienischem Skilehrer und Panikattacken

Aus irgendeinem Grund habe ich es 29 Jahre versäumt in den Skiurlaub zu fahren. Die Chance dazu hatte ich allerdings schon oft. Der Start ist aber natürlich eine Überwindung, ich habe immer an die Skischule mit Dreijährigen gedacht, die es dann wahrscheinlich immer noch besser können als ich. Außerdem möchte man natürlich kein Klotz am Bein sein. Es stimmt aber nicht ganz, dass ich noch nie auf Skiern stand, in meiner Kindheit habe ich die Hügelchen in Langenreinsdorf unsicher gemacht. Mein Skilehrer damals: Vattke, mein Dad. Mit dem Wissen von heute hat er einen sehr guten Grundstein gelegt. Also ging es auf nach Moena, im Südtirol will ich es wagen.

Die Skitouren von damals sind schon sehr lang her und haben nichts mit einem Skiurlaub in den Bergen zutun, dennoch haben sie mir Selbstvertrauen gegeben. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass ich das alles verlernt haben soll, egal wie steil die Berge hier sind. Doch zum Skiurlaub gehört deutlich mehr als nur das Fahren an sich. Keiner hat mir vorher gesagt, dass es sowas wie einen Tellerlift gibt und man zum Skifahren keinen Schnee braucht. Mittlerweile weiß ich, dass man sich auf den Tellerlift nicht setzten darf und ich komme vermehrt mit den Skiern und Stöcken durch das Drehkreuz an der Gondel, ohne mich zu verknoten oder andere zu gefährden. Moena ist ein wunderschönes Örtchen in Italien und hat alles, außer Schnee. Unsere Freunde heißen deshalb Schneekanonen und funktionieren hervorragend. Ich als Anfänger hätte den unechten Schnee nie als solche erkannt. Stutzig wäre ich wahrscheinlich erst bei der Tatsache geworden, dass nur die Pisten weiß sind, ein eigenartiger Anblick. Natürlich verlieren die Dolomiten kein bisschen an Reiz und Stolz, nur weil sie nicht schneebedeckt sind.

Da ich zu den blutigen Anfängern auf Brettern zähle, erschien mir die Investition in einen Skilehrer sinnvoll. Klar hätte ich mich auch von Mr. Z beraten lassen können, wahrscheinlich wären wir dann aber getrennt nach Hause gefahren. Also musste Pablo (es könnte auch sein, dass es Pauolo war, diese italienischen Namen), ein italienischer Skilehrer um die 40, her. Zu alt? Ihr kennt ja meinen Geschmack 🙂 Pablo ist genial! Ich liebe es wie er Kristina ausspricht und “Bravo” zu mir sagt. Zu meiner Erleichterung hat er dies sehr oft getan. Überraschender Weise scheine ich ein Naturtalent auf Skiern zu sein. Direkt am ersten Tag ging es auf die rote Piste (eigentlich nichts für Anfänger) und mit jeder Unterrichtsstunde fühle ich mich sicherer. Wahrscheinlich hat meine Mutsch doch Recht. Sie sagt schon immer, dass ich eine Schneekönigin bin, zu meiner Geburt waren zweistellige Minusgrade und Schnee überall. Wintersport muss also geeinet für mich sein. Dennoch gibt es Momente auf der Piste, die einen Schalter im Kopf umlegen. Bei einem Ausflug mit Mr. Z und ohne Skilehrer haben wir eine sehr steile Piste erwischt und plötzlich ging nichts mehr. PANIK. Ich hatte gefühlt alles verlernt, stand aber mitten auf dem Berg und musste da wieder irgendwie runter. Die Anweisungen von meinem Göttergatten drangen nicht mehr zu mir durch und je mehr ich versuchte zu bremsen, desto mehr verlor ich die Kontrolle. Am Ende konnte er nur zusehen, wie ich ganz langsam aber sicher in den Fangzaun rutschte und so gar keinen Bock mehr hatte. Wahrscheinlich darf ich euch die Wuttränen nicht verschweigen die mir in die Augen schossen, als ich versuchte meine Beine, meine Ski und mich aus dem Zaun zu wickeln. Ätzend wenn etwas nicht klappt und man da so hilflos liegt. Im Nachhinein ist es witzig 🙂 Ich habe es überlebt und auch meine Technik wiedergefunden, mittlerweile läuft alles etwas sicherer. Muskelkatertechnisch bin ich bisher verschont geblieben und freue mich deshalb über einen fitten Körper. Die erste Skirunde ist meistens von 9-12 Uhr, dann gibt es eine Mittagspause in einer gemütlichen Skihütte und gegen 15.30 Uhr sitzen alle platt in der Bar. Bilanz von Tag 1: 5 leichte Stürze, Tag 2: 1 Ministurz, bestes Wetter und große technische Fortschritte.

So wie der Urlaub (2 von 4 Tagen) bisher gelaufen ist bin ich froh, dass ich mich nach 29 Jahren das erste Mal ernsthaft auf die Ski gestellt habe. Ich bin sicher nicht das letzte Mal im Skiurlaub und habe einen Sport gefunden, der mir richtig Spaß macht. Meona ist entspannt, was das Apré Ski angeht, das hole ich dann beim nächsten Trip nach. Wie so oft gilt auch beim Skifahren: Man sollte nicht darüber urteilen, wenn man es selbst nie versucht hat.

Ich wünsche Euch allen einen wundervollen 4. Advent, euer Skihase 🙂

 

4 Gedanken zu „Mein erstes Mal auf Ski

  • Dezember 19, 2016 um 8:58 am
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    Sehr cool. Respekt! Das musst du mir nächste Woche in Langenreinsdorf beibringen!

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  • Dezember 19, 2016 um 3:30 pm
    Permalink

    Super Mensch! ich freue mich auf den Tag, wo wir uns mal zufällig mitten in den Dolomiten auf dem Sessellift begegnen!!!! Ach und an die ersten Ski mit dieser Seilbindung kann ich mich auch noch erinnern – meine waren blau 🙂

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  • Pingback: 5 Länder in 2 Wochen- HOHOHO - Kristina vom Dorf

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