Wenn Wünsche in Erfüllung gehen…

 

… von denen man gar nicht wusste, dass man sie hat. 🙂

Auf der Titelseite einer dänischen Zeitung.

Wer hätte gedacht, dass ich einmal ein Doppelseiten-Interview in einer dänischen Zeitung gebe? Ich nicht! Umso mehr freue ich mich, dass ich nun auch die Freigabe meiner deutschen Übersetzung vom Ekstra Bladet  bekommen habe. Viel Spaß beim Lesen, ich habe mich riesig gefreut, dass so viele von Euch nach der Übersetzung gefragt haben. Noch als kleiner Hinweis für die, die es nicht wissen: Mr. Z wird in diesem Text Alexander Zorniger genannt. Das ist eine Ausnahme und in Zukunft wird er wieder der altbekannte MR. Z auf dem Blog sein und seine gewohnte Nebenrolle einnehmen. 🙂

Von: Mogens Madsen

„Ich habe Alexander noch nie so glücklich gesehen!“

Sie gab eine vielversprechende Karriere in Deutschland auf, um mit ihrem Freund in ein Land zu ziehen, dass sie noch nie zuvor besucht hatte. Hier wurde sie freie Journalistin – und Mutter. Kristina Ahnert über die Unterschiede zwischen Deutschen und Dänen und über das Aufeinandertreffen mit Brøndby – und seinen verrückten Fans.

Es ist im Sommer 2016. Kristina Ahnert lebt und arbeitet in Stuttgart. Privat ist die mit dem Fußballtrainer Alexander Zorniger liiert. Sie hat einem attraktiven Job in der Kommunikationsabteilung des Giganten Daimler-Benz. Ein Traumjob mit guten Karrieremöglichkeiten für die junge und studierte Journalistin. Für ihren Partner läuft es karrieremäßig nicht so gut. Ein halbes Jahr zuvor musste er den Bundesligisten VfB Stuttgart, auf Grund enttäuschender Ergebnisse, verlassen. Nun hat er ein Angebot vom dänischen Traditionsverein Brøndby IF.

Brøndbys Cheftrainer Alexander Zorniger kam dann 2016 nach Dänemark. Genau wie ihr Freund war auch Kristina Ahnert noch nie zuvor in Dänemark und hatte nur recht vage Vorstellungen davon, was das kleine Land im Norden bietet. “Ich wusste nichts außer: Dänemark grenzt an Deutschland an. Aber ich hatte umso mehr Vorurteile. Ich dachte dort ist immer schlechtes Wetter, es ist kalt, windig und ich verstehe die Sprache nicht“, sagt Kristina. Heute lebt sie seit fast zwei Jahren in Dänemark und ist um viele Erfahrungen reicher. Das Paar zog zusammen in ein Haus ganz in der Nähe vom Strand, in Solrød. Ein Haus wie die meisten anderen auf der kleinen gemütlichen Straße, aber der Fahnenmast hat zwei Wimpel – einen dänischen und einen deutschen. Im Inneren des Hauses deutet vieles auf die neugeborene Liva hin.

Verliebt in Kopenhagen

Nachdem sie etwas mit ihrer Tochter gespielt hat erzählt Kristina weiter: “Beim ersten Besuch in Kopenhagen war das Wetter aus irgendeinem Grund erstaunlich gut. Die Sonne schien. Die Temperatur erreichte über 20 Grad. Es war unglaublich schön mit all den Kanälen in der Hauptstadt und den vielen Leuten. Man muss blind sein, um sich nicht in eine solche Stadt zu verlieben.“ Das Paar beschloss „JA“ zu Dänemark und Brøndby zu sagen, mietete ein Haus in Solrød und zog mit Sack und Pack in den Norden. Deutschland war damit Vergangenheit und Kristina musste den Job bei Daimler-Benz kündigen. “Es war wirklich schwer Abschied zu nehmen. Ich habe einen super Job hinter mir gelassen, aber für mich war es nie eine Option, nicht mit Alex nach Dänemark zu gehen. Ich kann nicht ohne ihn leben und ich will es auch nicht. Es ist auch wichtig für ihn, dass jemand im Haus ist, wenn er nach Hause kommt. Jemand der nachfragt wie sein Arbeitstag gelaufen ist und ihm beim Abschalten vom Fußball unterstützt“, sagt Kristina Ahnert, die bereits nach einer Woche hier “sehr verliebt in Dänemark” war.

Dänische Hilfsbereitschaft

 Die Liebe zum Land hielt an. Kristina nimmt Dänischunterricht und im November wird die kleine Liva in Dänemark geboren. Das Leben mit Alex und Liva am Meer ist ein absoluter Traum für die Deutsche. “Ich lebe gerne am Wasser und kann mir fast nichts anderes mehr vorstellen. Ich gehe mit Liva am Strand spazieren und fotografiere unfassbar schöne Sonnenaufgänge. Und die Dänen sind so ausgeglichen und glücklich. Wenn ich nach Deutschland reise, habe ich manchmal den Eindruck, dass jeder etwas zu meckern hat und jeder ein Problem mit sich herumträgt, außerdem kann nichts schnell genug gehen. Wenn man einen Deutschen fragt, wie es ihm geht, bekommt man ganz oft die Antwort “Eigentlich gut, aber …”. Es gibt immer ein kleines “aber”. Es gibt immer ein Luxusproblem. Natürlich gibt es aber auch fröhliche und lustige Leute in Deutschland, ebenso wie stinkige und mieslaunige Dänen“, sagt sie und lacht. “Meine dänischen Nachbarn waren von Anfang an sehr hilfsbereit. Einige der älteren Menschen in unserer Straße versuchen sogar Deutsch mit mir zu sprechen, obwohl sie die Sprache wahrscheinlich das letzte Mal vor 40 Jahren benutzt haben, als sie Deutsch in der Schule hatten. Sie bringen mir auch geduldig Dänisch bei“, sagt Kristina. “Auch die Sprachschule in Solrod hat mir sehr geholfen – sowohl dabei dänisch zu lernen, als auch mit Einblicken in dänische Lebensweisen und in die Kultur, wie das dänische Königshaus. Das war etwas ganz Neues für mich, so etwas haben wir schließlich nicht in Deutschland. Ich habe auch gelernt, was der dänische Begriff “hygge” bedeutet und wie man ihn lebt. In der Sprachschule bin ich auf viele verschiedene Kulturen gestoßen. Ich saß mit Flüchtlingen aus Syrien in der Klasse, außerdem haben Polen, Türken, Irakern und Filipinas mit mir an der Sprache gearbeitet. Es war sehr lehrreich und beeindruckend.“

– Was würdest du sagen, wenn Alex kommt und sagt, er hat ein Angebot aus Frankreich oder Italien? Kristina spricht kurz dänisch und sagt mit einem breiten Grinsen:

„Ikke nu! – Noch nicht!“

„Es gibt absolut keinen Grund für uns woanders hinzugehen. Ich habe Alex noch nie so glücklich wie im Moment gesehen – weder privat noch im Fußball. Das ist das was wichtig ist und nicht, ob er einen Job in einer größeren Liga bekommt.“

“Die Brondby Fans sind wahnsinnig”

– Was denkst du, wenn du verschiedene Geschichten in den Medien darüber liest, wie hart Alex die Spieler in Brøndby antreibt?

„Hmm. Man wusste ja schon in Deutschland, dass Alex ein strenger Chef ist. Es gibt aber den Trainer Alex und den privaten Alex. Ich denke, dass viele Top-Führungskräfte eine Rolle bei der Arbeit haben und eine andere zu Hause“, sagt Kristina Ahnert mit einem Lächeln.

Sie und Alexander Zorniger trafen sich als er Trainer von RB Leipzig war. Kristina arbeitete als Sportjournalistin bei der Leipziger Volkszeitung. Dann ging es weiter zu den nächsten Arbeitsplätzen von Zorniger, Stuttgart und Dänemark. Schnell wurde bekannt, dass die Blau-Gelben einen Trainer haben, der für eisernes und hartes körperliches Training steht, für strenge Disziplin und dass die Spieler ihn “Coach” nennen. “In Dänemark ist es nicht so, dass eine einzelne Person das Sagen hat. Hier sollte am besten eine große Gruppe, vorzugsweise jedes Thema, ausdiskutieren. In Deutschland ist es viel typischer, dass der Chef das Sagen hat. Ich denke eine Mischung beider Kulturen wäre optimal“, sagt Kristina Ahnert.

“Er weiß was er will!”

 „Ich will einen starken Mann“, sagt Kristina Ahnert. Sie kann das Bild, welches die dänische Presse von Alexander Zorniger zeichnet gut verstehen aber dies sei nur die halbe Wahrheit. “Er ist nicht streng zu Hause. Streng ist auch nicht das richtige Wort. Ich würde eher sagen: Er weiß, was er will und er hat seinen eigenen Weg dorthin. So arbeitet er beruflich und privat. Ich muss auch gut argumentieren, wenn ich etwas will, wir reden und diskutieren viel. Für mich ist das aber absolut normal, in einer Beziehung auf Augenhöhe. Er ist eben ein starker Mann.“

Ist das besser als ein schwacher Mann?

„Ich will keinen schwachen Mann“, sagt Kristina Ahnert lachend.

– Was wussten Sie über Brøndby IF, bevor Sie nach Dänemark kamen?

“Ich muss zugeben, dass ich den Club nicht kannte, obwohl er in Deutschland, besonders in den etwas älteren Generationen, sehr bekannt ist.“

– Wie gefallen Ihnen die Spiele?

„Ich bin begeistert. Die Fans … sie sind verrückt. Ich gehe gerne ins Stadion und höre die Brondby Anhänger 90 Minuten lang singen. Es ist großartig, wirklich mitreißend. Ich finde das Team ist unglaublich sympathisch. Man hat das Gefühl, ein paar Jungs zu sehen, die gerne Fußball spielen und wenn sie nach einem Tor jubeln, sieht man, wie echt ihre Freude ist und wie sehr sie diesen Sport lieben.“

Ein Blog über das Leben in Dänemark

In Deutschland arbeitete Kristina Ahnert zuletzt in der Filmproduktion bei Daimler-Benz. Obwohl es schwer war, sich von dem festen Arbeitsplatz zu trennen, gab sie den Journalismus nicht auf. Sie hat ihren eigenen Blog: kristinavomdorf.com, wo sie Artikel zu ganz unterschiedlichen Themen wie den Alltag in Dänemark, Liva, Fußball und den Besuch bei verschiedenen dänischen Sehenswürdigkeiten beschreibt. “Ich habe hier so viele Eindrücke gesammelt und mein Hauptaugenmerk auf ganz andere Dinge im Leben gelegt. Ich schreibe darüber was ich erlebe und ich habe viele Bilder von der atemberaubenden Natur Dänemarks und den grandiosen Sonnenaufgängen gemacht. Meine Freunde sagen, ich war noch nie so ruhig und ausgeglichen wie jetzt, seit ich nach Dänemark gekommen bin“, sagt Kristina Ahnert die ihren Blog weiter ausbauen und noch mehr Leser für sich und ihr Leben begeistern möchte.

 

Kristina über …

Königin Margrethe

“Also, für mich als Deutsche ist das Königshaus wirklich etwas gewöhnungsbedürftig. Alex und ich waren am Weihnachtsabend in Roskilde im Dom, dort werden alle Könige und Königinnen begraben. Es war eine atemberaubende Erfahrung, dennoch: Ich bin Deutsche und es ist ein bisschen schwierig für mich zu verstehen, warum und wofür man in der heutigen Zeit noch ein Königshaus braucht. Aber ich weiß, dass ein Großteil der Dänen verrückt danach ist. Wenn wir Gäste aus Deutschland haben, führe ich diese natürlich zum königlichen Plast (Amalienborg Palace), um den Wachwechsel zu sehen. Es ist ein kleines Abenteuer für mich, ein bisschen wie im Märchen – aber auch etwas seltsam.“

Yussuf Poulsen

„Åh … Yussi. Er ist wirklich lustig. Ich habe ihn das erste Mal interviewt, als ich als Sportjournalistin in Leipzig gearbeitet habe. Zu dieser Zeit hatte er Dreadlocks und Yussi war noch ein Junge. Er war voller Energie und dachte nicht wirklich darüber nach, was er sagt. Vor nicht all zu langer Zeit habe ich ein neues Interview mit ihm gemacht, hier in Dänemark. Jetzt saß ich einem Mann gegenüber. Er weiß, was er will. Er spricht ausgezeichnet deutsch und menschlich hat er sich unglaublich weiterentwickelt. Er ist immer noch so höflich und bescheiden wie damals. Er ist eine menschliche Bereicherung und ich nenne ihn den deutschen Dänen.“

Dänische Handwerker

„Es dauert wirklich lange, bis ein dänischer Handwerker kommt. Wenn er erscheint, hat er normalerweise ein Ersatzteil vergessen. Dann dauert es wieder eine halbe Woche, bevor er erneut auftaucht. Deutsche Handwerker sind schneller und qualitätsbewusster, zumindest meistens 😊.“

Die innerdeutsche Grenze

„Ich wurde 1987 in der DDR geboren, die Grenze verschwand 1989, deshalb habe ich das geteilte Deutschland nie bewusst mitbekommen. Aber ich bin sehr froh, dass die Grenze weg ist. Ich kann es mir überhaupt nicht vorstellen, nicht in Freiheit leben zu können, nicht reisen zu können und mit so vielen Einschränkungen leben zu müssen. Es ist für mich heute gar nicht mehr vorstellbar, dass es so etwas gab und wenn die Grenze noch existieren würde, hätte ich Alexander nie getroffen.“

4 Gedanken zu „Wenn Wünsche in Erfüllung gehen…

  • Mai 4, 2018 um 2:17 pm
    Permalink

    Ein tolles Interview!👌🏽

    Danke fürs Übersetzen 😘

    Antworten
  • Mai 4, 2018 um 6:27 pm
    Permalink

    Ein super Interview und wirklich schöne Bilder Kristina!!👏👏Congratulations!!!

    Antworten
  • Mai 6, 2018 um 10:24 am
    Permalink

    Du bist so süß!!!
    Wie du über MR. Z sprichst ist so herzerwärmend und toll!
    Wundervoll, dass Deutschland vereint ist und ihr euch begegnen konntet! 💏💞
    Alles erdenklich Gute weiterhin für euch! 👨‍👩‍👧🍀🤩

    P.S.: Dafür, dass du dich vor dem Fototermin nicht, wie gewollt, zurecht machen konntest, siehst du auf den Bildern trotzdem absolut toll aus! WOW!!! 👏🏻😍

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