Der Umzug nach Zypern

“Machst du das ALLES allein?”

Wie oft habe ich diese Frage in den letzten drei Wochen gehört! Ihr seid so süß und besorgt und ich habe so unendlich viele tolle Nachrichten voller Glückwünsche, Beileidsbekundungen und Hilfsangebote bekommen. Regel Nummer eins: Mit meiner Familie und in der Birkevej ist man niemals allein. Ich bekomme von allen Ecken und Enden Hilfe angeboten und doch muss ich beim Umzug so ein bisschen alleine durch.

Wir haben uns das erste Mal dazu entschieden, unser Hab und Gut einzulagern. Wir werden also in Limassol in ein möbliertes Haus ziehen. Bisher haben wir unsere eigenen Möbel mitgenommen. Von Leipzig nach Stuttgart und von Stuttgart nach Kopenhagen. Wisst ihr, was der Nachteil daran ist? Der Umzugscontainer ist mit jedem Neubeginn gewachsen. Von Leipzig nach Stuttgart sind meine Sachen dazu gekommen und von Kopenhagen nach Limassol, wären jetzt auch noch die Sachen von William und Liva (L&W) dabei. Ihr wisst, wovon ich spreche: Spielzeug, Wickeltisch, Kinderbetten, Klamotten… kurz gesagt: Ein Container allein für die Kinds! Schätzt doch mal, was es kosten würde, all diese Dinge nach Zypern verschiffen zu lassen? … NA?

30.000 Euro und Zeit, nämlich drei Wochen. Die Kids hätten also in Dänemark ein leeres Haus und noch kein neues Zuhause auf Zypern. Wir haben kurz darüber nachgedacht, drei Wochen bei den Großeltern in Deutschland zu leben, aber die 30.000 Euro haben uns schnell nach einer anderen Lösung suchen lassen. Und die haben wir jetzt:

Beim Packen der Kisten gibt es vier Kategorien: Einlagern, Zypern, Verschenken und Sperrmüll! Wir haben uns dafür entschieden eine Kiste nach Zypern zu schicken, mit den wichtigsten Dingen für L&W. Sachen wie Fahrrad, Laufrad, Musik Box und Lieblingsspielzeug wollten wir einfach nicht komplett zurücklassen. Wenn sich die beiden schon an neues Haus mit fremden Möbeln gewöhnen müssen, dann sollen sie zumindest ihre Herzensdinge bei sich haben. Diese Zypern-Kiste ist bereits auf dem Weg ins neue Haus und müsste in der gleichen Woche wie wir drei auf Zypern ankommen. Eingelagert werden vor allem unsere Wohnzimmermöbel und Klamotten. Aber das erste Mal nutze ich den Umzug, um auszumisten, so richtig. Wir hatten hier in den fünf Jahren Dänemark eine Garage voller Kisten, die wir niemals ausgepackt haben. Wir haben sie einfach immer wieder mitgenommen, aber damit ist jetzt Schluss. Ich verschenke, verkaufe und es ist wirklich anstrengend den Überblick zu bewahren. Aber es kommen so unendlich viele Erfahrungen dazu:

Wenn ich zum Beispiel Kleinigkeiten (Topfpflanzen, Vasen, unbenutztes Vogelfutter!!) vor das Haus stelle und auf Facebook einen Aufruf mache, dass das Zeug gratis ist, dann ist nach einer Stunde alles weg! ALLES! Wenn ich aber für einen superguten Autositz 20 Euro verlange oder Williams Babybett für 100 Euro verkaufen möchte, dann wird verhandelt oder es meldet sich keine Sau 🙂 Wirklich witzig und sehr, sehr anstrengend! Deshalb genieße ich es, dass ich gewisse Sachen in der Familie verschenken kann. Richtige Kopfarbeit ist auch das Planen, was wir nach der Zeit in Limassol wohl nicht mehr brauchen werden. Natürlich lagere ich den Wickeltisch von William nicht ein. Er wird im November zwei und geht in zwei Jahren dann hoffentlich auf die Toilette. Warum in zwei Jahren? So lang ist der Arbeitsvertrag von Mr. Z. Ob wir so lang auf Zypern bleiben, ob es 20 Jahre werden? Wer weiß! Deshalb lagere ich nur Sachen ein, die wir sicher wieder benutzen können oder anziehen werden. Deshalb kommt zum Beispiel keine Kinderkleidung in den Karton. Während ich diese Zeilen schreibe, merke ich wieder, dass mich der Umzug körperlich kalt lässt, das Kistenpacken ist der entspannte Teil. Aber der Kopf arbeitet und arbeitet und plant und ordnet. Eine spannende und anspruchsvolle Zeit. Immerhin denke ich für vier und möchte alles richtig machen.

Selbst und ganz allein die Umzugskartons zu packen und unsere Schränke zu leeren bedeutet natürlich auch MACHT! Warum? Was da alles passieren kann: Es kann passieren, dass mir Klamotten von Mr. Z statt in den Umzugskarton, in den Sack fürs “Rote Kreuz” fallen. Sowas passiert! Es kann passieren, dass mir eine Tasse mit dem Foto einer Verflossenen beim Einpacken aus der Hand rutscht und es deshalb nicht in die Kiste zum Einlagern schafft. Sowas passiert! Und wenn es ganz dumm zugeht, dann kommt mein Lieblingsbadetuch, welches von Löchern zerfressen ist und hart wie ein Brett, in den Container zum Einlagern, obwohl es Mr. Z schon seit drei Jahren im Müll vermutet. Sowas passiert! Das ist Macht 😀

So, lange Rede kurzer Sinn, zurück zum Wesentliche: Ja, im Moment mache ich alles allein, weil meine lieben Nachbarn natürlich nicht für mich entscheiden können was weg soll und was in welche Kiste kommt. Das gute ist, dass ich seit drei Wochen weiß, dass wir umziehen und noch drei Wochen mehr habe, bis es wirklich so weit ist. Ich liege super im Zeitplan. Zum Glück konnte ich mein Studium erstmal pausieren, das nimmt mir etwas Druck. Wenn die Kids im Kindergarten sind, habe ich Ruhe und Zeit. Und die Ruhe brauche ich für: Abmeldungen in Dänemark, Kündigungen, Kindergartenplatz-Suche auf Zypern, Flüge buchen und und und. Doch dazu mehr im nächsten Text.

Wann geht es endlich los? Wo lebt Mr. Z gerad und was macht der überhaupt? Verstehen L&W was da gerade passiert? Was erhoffe ich mir von Zypern? Was sind meine Bedenken? Welche Sprache wird gesprochen? All diese Fragen beantworte ich Euch dann im zweiten Teil. Jetzt verschwinde ich erstmal wieder in meinem Meer voller Kisten.

Wenn ihr weitere Fragen habt, immer her damit, ich beantworte sie gern!

5 Gedanken zu „Der Umzug nach Zypern

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