Mein erstes Sankt-Hans-Fest in Dänemark

 

 

Zwischen Hexenverbrennung, Nachbarschaftsstreit und Heckenschnitt.

Dieses Jahr durfte ich das erste Mal bei einer dänischen Tradition dabei sein, die ich so ähnlich schon aus Sachsen kannte (Hexenfeuer am 30. April). Allerdings wird das Sankt-Hans-Fest an einem anderen Datum gefeiert, hat einen anderen Namen und läuft auch deutlich musikalischer ab. In Schweden als Midsommar bekannt, dient die Tradition des Sankt Hans vor allem dem Fernhalten bösere Kräfte, der Sommer wird willkommen geheißen und die Hexen werden Richtung Blocksberg vertrieben. Dafür werden große Feuer angebrannt, ein Fackelumzug abgehalten und gesungen, so weit die Theorie 🙂

Bei uns, in meiner geliebten Birkevej begann die Arbeit für das traditionsreiche Fest schon Tage vor der eigentlichen Zeremonie am 23. Juni. Fast hätte ich einen Streit am Gartenzaun angezettelt, so erbost war ich, dass Nachbar von nebenan seine Grünabfälle wie Hecke und Äste ans Meer fuhr. Schubkarre für Schubkarre fuhr er freundlich an mir vorbei, zielsicher Richtung Strand und zu meinem Steg. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass die Tonne für die Grünabfälle vor allem während der Zeit des Heckeschneidens einfach zu klein und schnell voll ist aber sollte er wirklich so dreist sein?! Also Kontrolle am Strand. Am Meer hatte sich schon ein kleiner Haufen gebildet und es schien kein Ende in Sicht. Nennen wir es glückliche Fügung, dass ich an diesem Tag mein Verlängerungskabel für meine Heckenschere durchschnitt. Natürlich hatte mich der Nachbar animiert auch etwas für den Garten zu tun. Wenn einer in der Straße anfängt…, viele von euch kennen das sicher. Während ich also mein Leben feierte, das Kabel hatte nämlich trotz eines glatten Schnitts gefunkt, gezischt und gestunken, suchte ich einen anderen Nachbarn auf, er sollte mir mit einer neuen Verlängerung weiterhelfen. Was ich dann erfuhr, brachte Licht in meine Verwirrung und bescherte mir eine vielversprechende Einladung.

Mein Grünzeug-Nachbar machte nichts illegales, als er seine Holzabfälle zum Meer fuhr, im Gegenteil. Sankt Hans stand vor der Tür und dafür fährt in unserer Region jeder Haushalt eben diese  brennbaren Dinge ans Meer. Es sieht verrückt aus, wie aus jeder Straße die Menschen mit ihren Schubkarren kommen und Haufen für Haufen am Strand ein skurriles Bild abgibt. Offiziell hat es mir keiner bestätigt aber ich sage es euch, da laufen Wettbewerbe, welche Straße den Größten (Haufen) hat! Da habe ich mich natürlich nicht lumpen lassen und mein Garten erstrahlt seitdem im neuen Licht. Ich habe sicher 15 Fahrten mit meiner (ebenfalls) geliehenen Schubkarre gemacht. Natürlich wollte ich nicht nur zur Feier gehen sondern auch Teil des Haufens sein 🙂

Am Sankt-Hans-Abend selbst lief dann alles von allein. Meine tollen dänischen Nachbarn haben mich quasi durch den Abend getragen und mir das Gefühl gegeben dazu zu gehören. 21.30 Uhr wurde sich am Anfang unserer kleinen Straße versammelt, Fackeln verteilt und sich begrüßt. Mit den Fackeln ging es dann unseren Weg entlang zum Meer, in manchen Jahren sind sogar Musiker dabei. Dieses Jahr gab es die Musik allerdings erst am Strand, dort wurde nämlich aus Leibeskräften gesungen und dabei haben die Fackeln dafür gesorgt, dass der große Haufen zum Brennen gebracht werden konnte. Es waren hunderte Menschen am Strand und unzählig viele Haufen. Ganz oben auf dem Berg stand eine kleine Hexe, diese hat den Abend allerdings nicht überlebt. Nach ersten Startschwierigkeiten brannte auch unsere Birkevej-Haufen hervorragend und gehörte ganz sicher zu einem der größten Exemplare 🙂

Nachdem das Feuer abgebrannt ist, ziehen sich die meisten Nachbarn zusammen mit ihren Freunden und der Familie nach Hause zurück. Dort wo vor Stunden das “Vorglühen” und das gemeinsame Beisammensein begann, wird nun weitergefeiert.

Unfassbar wie liebevoll die Dänen ihre Traditionen pflegen und vor allem Fremde, Besucher und Neulinge daran teilhaben lassen. Es war ein Hochgenuss mit meiner dänischen Nachbarschaft den Sankt-Hans-Abend zu verbringen!

Hier gibt es etwas zum Mitsingen und Mitfeiern, richtig hyggelig. 🙂

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Liebe Grüße,
Eure Kristina vom Dorf

2 Gedanken zu „Mein erstes Sankt-Hans-Fest in Dänemark

  • Juni 30, 2017 um 8:00 pm
    Permalink

    Sankt Hans spart die Grünabfuhr. Schön, dass sich dabei so viele Leute treffen.Tolle Tratition.

    Antworten
  • Juli 5, 2017 um 11:28 pm
    Permalink

    Herrlich, wir waren zwar, wenn wir Sankt Hans in Dänemark waren zu spät an “Strand”, dass Feuer war schon aus und wir sind allein zurück zum Sommerhaus, aber das hyggelige Gefühl war trotzdem da.
    Grüsse
    M.

    Antworten

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