“Einfach” nach Dänemark auswandern. (2)

 

Wieso soll ich denn Dänisch lernen?

Dass das mit dem Auswandern nicht so einfach ist, hatte ich ja bereits im Teil 1 meiner Auswanderergeschichte berichtet. Wie soll es das auch? Natürlich sind wir mit einer (vorläufigen) Job-Garantie und ohne Kinder ausgewandert, hatten Unterstützung von einem Umzugsunternehmen und vom neuen Arbeitgeber meines Mr. Z. Aber Auswandern ist so viel mehr. Wie sagst du deiner Mutsch, dass du ins Ausland gehst? Wie sollst du deinen wundervollen Neffen aufwachsen sehen, wenn du ins Ausland gehst. Was ist, wenn du dich überschätzt, nicht wohlfühlst oder wie bei so vielen Auswanderern deine Beziehung am neuen Leben zerbricht? Komischerweise hatte ich diese Gedanken nur sehr kurz, all diese Dinge haben nicht zwangsläufig etwas mit einer Auswanderung zutun. Ich kann auch in Deutschland umziehen und mich total unwohl fühlen. Ich kann auch in Deutschland meine Familie vernachlässigen oder meinen Partner mit der Haushälterin im Bett erwischen. Was ist schon sicher? Wenn man diese Frage stellt, muss man zwangläufig auch die Allerweltsklugscheißerantwort dazu geben: Nichts ist sicher, nur der Tod (und die Steuer) 🙂 Oh man, ich werde alt und benutzt Rentnersprüche.

Zurück zum Thema. Wir haben uns also für ein Leben in Kopenhagen entschieden und es ging an die Wohnungs- oder Haussuche. Es gab zwei Möglichkeiten, die wir in Betracht gezogen haben. Eine Wohnung direkt in Kopenhagen mit Blick auf die Kanäle und die ein oder andere Sehenswürdigkeit. Schon ein romantischer Gedanke, jeden Morgen mit dem Taxiboot in die Stadt zu fahren. Möglichkeit zwei, ein Häuschen, etwas außerhalb und am Meer. Mr. Z und ich haben immer (Leipzig und Stuttgart) in zentrumsnähe gelebt aber nie direkt im Trubel. Deshalb haben wir uns auch hier dafür entschieden 20 Minuten entfernt von der Innenstadt zu leben, am Meer. Das wussten wir von Beginn an. Wenn wir in dieses tolle Land gehen, wollen wir auch am Meer leben. Die Dänen haben uns dafür immer belächelt, für sie ist das Meer wohl nichts besonderes mehr. Unser süßes dänisches Häuschen steht jetzt keine 50 Schritte von der Ostsee entfernt, hat einen tollen großen Garten und lädt zu hyggeligen Grillpartys ein. Ich liebe dieses Haus, die Entscheidung war für uns absolut richtig. Ich glaube besonders unsere Nachbarn haben es mir so einfach gemacht, mich schnell in der neuen Heimat wohlzufühlen. Nach unserem Einzug bin ich von Nachbar zu Nachbar gegangen, um mich mit Blumen und Maultaschen vorzustellen. 🙂 Das deutsche Mädchen mit Maultaschen und keinem Wort Dänisch, sicher ein großer Spaß für unsere komplette Straße. Ich habe noch nie so hilfsbereite und freundliche Menschen wie die Dänen getroffen. Sowohl in kleinen Dingen, als auch in absoluten Notsituationen ist immer auf meine Nachbarn Verlass. Wenn ich morgens zum Briefkasten gehe und ein Nachbar fährt zufällig vorbei, hält er/sie immer für einen kurzen Plausch an. Sie erwarten nicht, dass du dänisch mit ihnen sprichst, sprechen tolles englisch und wenn du dir doch ein paar dänische Worte heraus quälst, fallen sie vor Begeisterung fast aus den Latschen 🙂 Herrlich! Die Dänen sind also auch zu den Deutschen äußerst hygellig und hilfsbereit. Es ist kein Problem in der Stadt jemanden nach dem Weg zu fragen oder sich andere Informationen zu holen, die Dänen helfen ausgesprochen gern.

Weil wir gerade beim Dänisch sind. Ich finde diese Sprache wirklich ausgesprochen niedlich und wie wir wissen, ist alles besser als Sächsisch aber dänisch zu lernen, ist meiner Meinung nach sehr schwer. Man kommt mit deutsch und englisch hervorragend in Dänemark über die Runden (wenn man dänisch nicht beruflich braucht), warum sich also eine neuen Sprache antun, die man nur in Skandinavien benutzen kann? DARUM! Was ist wenn ich in 10 Jahren noch immer hier bin und nie damit begonnen habe? Ich möchte mein Umfeld verstehen und wir Deutschen sind doch ganz vorn mit dabei wenn es darum geht Ausländer zum Deutschsprechen zu animieren. Also habe ich vor drei Wochen einen Dänischkurs angefangen. Drei Mal die Woche jeweils 4 Stunden. Ihr macht euch keine Vorstellung, wie da der Schädel qualmt. Im Kurs sitze ich mit 10 weiteren Ausländern zusammen, aus 9!!!! Nationen. Dazu wird es aber einen eigenen Text geben. Meine Multikulti-Dänischklasse muss ich euch in Ruhe vorstellen. Auf jeden Fall geht es durch die vielen Dänischstunden deutlich voran. Was meiner Meinung nach das Problem oder die Schwierigkeit an der Sprache ist, dann im Sprachkurstext. Man man man, ich komme schon wieder ins Schwafeln. Wahrscheinlich habe ich in Teil 98 noch immer nicht alles erzählt.

Der Text wird schon wieder viel zu lang, deshalb möchte ich euch noch kurz etwas über meine Jobsuche erzählen. Natürlich ist der Beruf einer der Hauptgründe, warum sich viele Menschen den Herzenswunsch Auswandern nicht erfüllen, verständlich. Ich war in Deutschland Journalistin und in der Filmproduktion beim Daimler tätig. Mir war sofort klar, dass ich das in Kopenhagen nicht mehr machen kann, schon wegen der Sprache. Ich bin nur in meiner Muttersprache gut. Daher habe ich mich mal wieder selbstständig gemacht, arbeite jetzt als Bloggerin und freie Journalistin. Wie ihr sehen könnt ist der Blog deutsch und zu erzählen gibt es massig. Als Journalistin und Reisereporterin schreibe ich nur für deutsche Zeitungen oder Onlineportale, damit gehe ich den Sprachproblemen aus dem Weg. 2015 lag die Arbeitslosenquote in Dänemark bei 6,2 Prozent und sinkt weiter. Verglichen mit dem deutschen Arbeitsmarkt geht es hier anders zu. Die Dänen wechseln deutlich häufiger ihre Jobs. Wenn man neue Herausforderungen sucht oder unzufrieden ist wird gewechselt, was natürlich viel Bewegung auf den Arbeitsmarkt bringt. Je nachdem, welchen Beruf man gelernt hat oder in Deutschland nachgegangen ist, stehen die Chancen für Auswanderer also ebenfalls gut. Dann aber eben immer mit der Herausforderung, dass man ein gewisses Grunddänisch beherrschen muss. Aber viele Auswanderer in Spé fangen ja bereits in Deutschland an die Sprache zu lernen.

Ich wollte Euch noch viel mehr erzählen aber das verschiebe ich in den dritten Teil. Sachen wie: Ummeldechaos, dänische Handwerker, Wie haben wir uns eingelebt? Bleibt das Meer immer etwas besonderes? Peinliche Momente dank der Sprache und vieles mehr 🙂

Ich freue mich wieder auf Eure Fragen und Anregungen.

Immer schön hygge bleiben.

17 Gedanken zu „“Einfach” nach Dänemark auswandern. (2)

  • April 3, 2017 um 1:42 pm
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    Du klingst sehr glücklich und zufrieden. Das ist toll. Besser kann es nur Ende Mai werden 🙂

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    • April 3, 2017 um 2:29 pm
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      Das bin ich! Ich freue mich riesig auf Euren Besuch. Ich möchte Euch “mein” Dänemark zeigen. <3

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  • Pingback: "Einfach" nach Dänemark auswandern. (1) - Kristina vom Dorf

  • April 3, 2017 um 8:30 pm
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    Bei der Sprache muß man aber auch darauf hinweisen das es Dialekte gibt.
    Ich habe auch in DK gelebt und gearbeitet – es ist anders, aber toll wenn man sich darauf einlassen kann. Also nicht mehr deutsch denken, sich auf die dänischen Spielregeln einlassen, wenn man das nicht kann wird es nichts.

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  • April 3, 2017 um 9:06 pm
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    Ein schöner Artikel übers Auswanden. Ich bin selbst auch vor 10 Jahren nach DK ausgewandert.

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  • April 4, 2017 um 10:51 am
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    Toller Artikel, man spürt das du immer noch schwärmen kannst von diesem tollen Land und seinen Bewohnern.

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  • November 27, 2017 um 9:03 pm
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    Hallo, ich habe mit ca. 15-16 Jahren einen wesentlich jüngeren Dänen im Kurzurlaub am Diemelsee kennen gelernt. Wir verständigten uns mit Händen und Füßen. Jetzt bin ich 49, trage diese unglaublich freundliche Art immer noch in meinem Herzen und verstehe gut, wovon du schreibst. Ich werde ab 2018 Dänemark bereisen und ihn hoffentlich treffen: den Dänen, der mir “rote Grütze mit Sahne” in dänisch beigebracht hat und mein Herz berührte – bis heute. Das ist so wie ich es hier schreibe. Ich werde dich finden oder du mich …

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  • Januar 29, 2018 um 7:50 pm
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    Ich bin froh über Deinen Blogg gestolpert zu sein, endlich mal eine ganz frische und positive Darstellung der Tücken des Einlebens 🙂
    Mit meinem dänische Freund brechen wir bald unsere Zelte in Zürich ab, um in seine Heimat zu gehen und ich freu mich riesig auf das Land und vor Allem das Meer!!
    Ich bin gespannt auf Deine Fortsetzungen.
    Happy day.

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    • Januar 29, 2018 um 8:46 pm
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      Willkommen! Eine sehr gute Wahl ins tolle Dänemark zu gehen. Sprichst du auch dänisch?

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      • Januar 29, 2018 um 10:45 pm
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        Ich spreche leider noch nicht dänisch. Ich hoffe aber, dass ich es mit Hilfe der Dänen in meinem Urlaub lernen kann – meine Versuche, aus dem Buch und mit einer Lernsoftware zu lernen sind doch sehr kläglich. Aber ich bin voller Hoffnung.

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        • Januar 30, 2018 um 1:05 am
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          Ich finde es macht riesen Spaß, treibt einen aber auch an den Rand der Verzweiflung! 😁
          Hast du meine Texte zur Sprachschule gelesen (unter Dänemark)? Dort beschreibe ich meinen laangen Weg bis zur Abschlussprüfung. “Mein Versuch Dänisch zu lerne”

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          • Januar 30, 2018 um 7:22 am
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            Ich spreche noch kein Dänisch.Ich überlege mit nem Sprachkurs zu starten aber wenn ich die Sprache nicht anwenden kann ist es schwierig. Ich werd mal deinen Eintrag dazu lesen. .

          • Januar 30, 2018 um 10:04 am
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            http://kristinavomdorf.com/de/daenemark/mein-versuch-daenisch-zu-lernen-teil-1
            Wenn ihr in Dänemark leben werdet, macht es auf jeden Fall Sinn. Ich brauche die Sprache auch nicht wirklich, weder beruflich noch im Umgang mit den Menschen (alle sprechen sehr gutes Englisch und viele sogar Deutsch) aber es macht immer Spaß etwas Neues zu lernen und die Dänen freuen sich, wenn man sich bemüht. Ich habe es keine Sekunde bereut, obwohl ich noch immer kämpfe.

          • Januar 30, 2018 um 3:55 pm
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            Ich bin der Meinung, dass es grundsätzlich sehr unhöflich ist, ein Land zu besuchen ohne wenigstens ein paar Worte in der Landessprache zu sprechen. Natürlich ist es gut zu wissen, dass ich dann doch auch ohne entsprechende Kenntnisse dort durch´s Leben komme. Genau diese Kombination ist sehr beruhigend und angenehm zugleich.

  • September 11, 2018 um 4:48 pm
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    Du, Dorfkind, wie stellt man es denn an, sich in Dänemark selbständig zu machen ? ist das ähnlich wie in Deutschland, ginge selbständig in DK auch als “Einzelunternehmer” ??
    schreib doch bitte mal ein paar Takte dazu, denn wir (2 große + 2 kleine) überlegen auch, ob Dänemark unsere nächste Heimat werden könnte……Haus direkt am Meer klingt übrigens prima!!
    danke und liebe Grüße
    RF aus NRW

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    • September 13, 2018 um 1:27 pm
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      Hallo mein Lieber, ich melde mich dazu per Mail bei dir. LG

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  • Oktober 7, 2018 um 6:17 pm
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    Hallo Kristina, ich bin gerade auf deinen Blog aufmerksam geworden. Nachdem ich 10 Jahre in Kanada gelebt habe bin ich vor 2 Jahren auf der schwäbischen Alb gelandet…ja ich weiß, wie in aller Welt könnte DAS passieren 😄 Details erzähle ich dir gerne ein andermal. Über Umwege bin ich aber nach Leipzig gekommen..finde ich übrigens total witzig das ihr auch schwäbisch und sächsisch kennt, Betonung auf kennen nicht können..grins. Nun gewöhne ich mich nur sehr schwer hier an das ruppige „Klima“ und da ich zur Zeit nicht nach Kanada zurück kann weil ich das meiner alten Hündin nicht zumuten kann, und ich die skandinavischen Länder auch toll finde, bin ich also bei Dänemark hängen geblieben. Ich würde mich unheimlich gerne einmal mit dir austauschen. Du kannst mich auch über meine Facebook Page Hundeerziehung Leipzig kontaktieren. Liebe Grüße aus Plagwitz, Nicole

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