Mein Versuch Dänisch zu lernen. (Teil 1)

 

Von Fettnäpfen und Sprachproblemen.

Es ist kaum vorstellbar, dass ich jetzt schon acht Monate in Dänemark lebe. Die Zeit rennt. Mir war eigentlich von Beginn an klar, dass ich Dänisch sprechen und verstehen möchte und dennoch hat es über ein halbes Jahr gedauert, bis ich endlich mit einem Dänischkurs begonnen habe. Wie ich euch bereits erzählt habe, bin ich beruflich nicht auf die Landessprache angewiesen. Ich bin selbstständige, freie Journalistin und Bloggerin, schreibe in meiner Muttersprache und für deutsche Auftraggeber. Im Privatleben, egal ob zwischenmenschlich oder beim Einkaufen, Sightseeing oder in öffentlichen Ämtern, bin ich immer hervorragend mit Englisch und Deutsch klar gekommen. Die Dänen sprechen hervorragendes Englisch. Sie lernen die Weltsprache nicht nur in der Schule, sondern werden von Kindesbeinen an damit konfrontiert. In Dänemark findet keine Synchronisation von englischen Filmen und Serien statt, es lohnt sich einfach nicht, bei der Größe des Landes. Deshalb schauen die Dänen alles in der englischen Originalsprache. Ein riesen Vorteil! Ich hatte also nie wirklich Probleme, mich in Dänemark zu verständigen aber der ein oder andere Auslöser hat mich dahin gebracht, wo ich jetzt drei Mal die Woche für jeweils vier Stunden bin, in den Dänischunterricht.

Eigentlich gab es zwei Dinge, die mich neben meinem Stolz dazu gebracht haben, die Sprache zu lernen. Sobald ein Brief von der Kommune ins Haus flatterte, war dieser für uns kaum von Werbung zu unterscheiden, weil wir ja wirklich gar ein Wort dänisch verstanden. Nur die fehlenden, bunten Bildchen haben uns dann darauf hingewiesen, dass es wichtig sein könnte, was da steht. Also blieb nur die Möglichkeit den Google-Translater anzuwerfen oder Mr. Z hat die Post mit ins Büro genommen und dort übersetzen lassen. Wahrscheinlich sind so auch die Aufrufe für meinen Unterleibscheck bei seinem Fußballverein gelandet. GRUND 1, Dänisch zu lernen. GRUND 2 ist ein ganz banaler Grund, ich möchte meine Umwelt und Mitmenschen endlich wieder verstehen. Ich würde es nicht mal merken, wenn direkt neben mir jemand tierisch über mich herzieht oder mich offensichtlich verbal angreift, stattdessen würde ich freundlich lächeln und um die englische Version der Beschimpfung bitten. Wenn man gar nichts versteht, passieren natürlich auch ungewollte Unhöflichkeiten. Als ich in den ersten Wochen im Supermarkt war und zur Kasse ging hatte der Kunde vor mir, netter Weise, schon den Warentrenner auf das das Band gelegt. Darauf stand das fette Wort: LUKKET, was auch immer das heißt. Natürlich habe ich mich freudestrahlend angestellt, immerhin konnte ich so direkt nach ihm bezahlen, die andere Schlange, an Kasse 2, war viel länger. Als ich meine Sachen auf das Band legte, schickte mir die sonst so nette Verkäuferin den Todesblick und auch alle Anderen schienen mich anzustarren. Kann man sehen, dass ich Deutsche bin?? Widerwillig zog die Kassiererin meine Waren über den “Peep” und lies mich bezahlen. Auf Dänisch murmelte sie mir etwas entgegen und wie immer bat ich um die englische Übersetzung. Sie zeigte auf das Lukket-Schild und gab mir zu verstehen, dass die Kasse bereits geschlossen war. Allerdings schon vor mir, ich hatte das gekonnt ignoriert. Das Schild war rot und die Buchstaben LUKKET (geschlossen) sehr sehr dick. Ich habe das Wort nicht einmal wahrgenommen. Natürlich habe ich mich 100 Mal entschuldigt und peinlich berührt das Weite gesucht. Das Gute ist, dass mir das nie nie wieder passiert, da bin ich sicher. So lernt man die Sprache also auch 🙂 Der Stolz, von dem ich sprach besteht einfach darin, dass ich den Dänen zeigen möchte, wie toll ich ihr Land und ihre Sprache finde. Natürlich kann es sein, dass wir nächstes Jahr wieder umziehen aber es kann eben auch sein, dass wir in 5 Jahren noch immer hier sind. Ich würde mich einfach sehr sehr unwohl und schäbig fühlen, wenn ich nach zwei Jahren Dänemark noch immer kein Wort der Landessprache spreche oder verstehe. Deshalb habe ich mich in der Kommune nach Möglichkeiten für Sprachkurse erkundigt.

Das Großartige ist, wenn man in Dänemark gemeldet ist, bekommt man den Sprachkurs für zwei Jahre kostenlos. Nun habe ich also die Möglichkeit 12 Stunden die Woche in die Sprachschule in der direkten Nachbarschaft zu gehen, kostenlos. Besser hätte es nicht laufen können. Ich mache das jetzt im zweiten Monat und es wurde relativ schnell klar, wo meine Stärken und Schwächen liegen. Als Deutsche habe ich extreme Vorteile. Die Grammatik der beiden Sprachen ist nahezu identisch, es gibt viele Worte, die dem Deutschen so ähnlich sind, dass man sie nach einmal lesen sofort versteht: hus- haus, nej- nein, kommer fra – komme aus, vil – will usw. und auch witzige Ähnlichkeiten wie “gammel”, was für alt steht, wie passend 🙂 Anders verhält es sich dagegen mit der Aussprache. Ich bezeichne die Aussprache immer als eigene Sprache, habe das Gefühl, dass man zwei Sprachen lernen muss: das geschriebene und das gesprochene Dänisch. Nur weil du einen Satz perfekt übersetzen kannst, kannst du ihn noch lang nicht richtig aussprechen oder verstehen, wenn ihn jemand sagt. Hier ein Beispiel: Det er en hund. (Es ist ein Hund) -> Ausgesprochen: Deen hund. Da wird alles zusammen gezogen und weggelassen was geht. Wenn ein Däne also schnell mit mir spricht, erkenne ich nicht mal die einzelnen Worte und kann sie so auch nicht im Kopf übersetzen. Man lernt auch in der Schule das schrittweise Weglassen. So ist “jeg” (übersetzt: ich) eines der ersten Worte welches man lernt. Ausgesprochen heißt es “jai”, nach ein paar Wochen sagt man allerdings nur noch “ja” und dann soll ein Ausländer wie ich noch das Ursprungswort erkennen. 🙂 Erschwerend kommt hinzu, dass die Dänen sprechen, als hätten sie eine heiße Kartoffel im Mund. Dennoch macht es riesen Spaß und ich merke wie es voran geht, ich mag die Sprache einfach.

Wie weit ich mittlerweile bin; Warum ich mich gegen Einzelunterricht entschieden habe; Wie es funktioniert, wenn 10 Nationen in einer Gruppe zusammen unterrichtet werden und die einzige gemeinsame Sprache Dänisch ist; Wie die Politik der verschiedenen Länder in den Unterricht eingreift; Wie mich meine Lehrerinnen jeden Freitag quälen und warum ich erst 30 Jahre alt werden musste, um Namen wie Babak und Julaship zum ersten Mal zu hören; all das lest ihr im zweiten Teil meiner Sprachreise.

Lest hier den 2. Teil!

 

10 Gedanken zu „Mein Versuch Dänisch zu lernen. (Teil 1)

  • April 26, 2017 um 7:13 pm
    Permalink

    Sehr lustig zu lesen. Danke! Da erscheint die Sprache gleich in einem ganz anderem Licht.
    Muss ich wohl auch noch etwas üben, eh es los geht. Zumindest: Guten Tag, Auf Wiedersehen, Bitte und Danke sollte ich dann können.
    Bin schon gespannt auf Teil zwei….
    Grüße aus LE

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  • April 26, 2017 um 7:47 pm
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    Du hast eine richtig gute Einstellung!!! So machst du es richtig. Viel Erfolg beim Dänisch lernen.

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  • April 26, 2017 um 8:18 pm
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    ha,ha! ich kann dich gut verstehn. ist hier nicht anders. anstrengend sind dann noch die vielen dialekte u. da steckt hinter jedem gartenzaun ein anderer! ich wünsch dir weiterhin viel spaß in deiner wahlheimat u. gute lernerfolge ! vi snakkes

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  • April 27, 2017 um 8:51 am
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    So ähnlich geht es mir nach 30 Jahren DK-Urlaub. Das geschriebene Dänisch kommt an in meinem Kopf und ich kann es übersetzen. Aber reden und verstehen? Leider nur die üblichen Floskeln beim Einkaufen.
    Ich bin gespannt, wie es weitergeht 😀

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  • April 27, 2017 um 9:28 am
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    Ehrlich gesagt, ich beneide Dich ein bißchen. Dort wo ich wohne, Oranienvurg, ist dänisch wine sehr exptische Sprache. Wir hatten Glück, in unserer Volkshochschule liefen mehrere Lektionen. Ich habe sie zweimal durchgearbeitet. So kann ich mich mit meinen Freunden hier ganz gut unterhalten. Ich wünsche Dir auf jeden Fall dass Du weiter so schöne Beiträge schreibst, sie sind für mich sehr erheiternd.

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  • April 28, 2017 um 6:39 pm
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    Sprache ist immer der Schlüssel zu den Menschen ….. Keine Kassiererin in Dänemark wird dich jemals wieder böse anschauen .Das ist doch ein Ansporn .

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  • Pingback: Mein schlechtes Gewissen wächst... - Kristina vom Dorf

  • März 4, 2018 um 7:18 pm
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    Herrlich, deinen Text zu lesen. Jedes Wort kann ich aus vollem Herzen bestätigen.
    Ich bin letzten Jahr im Dezember nach Dänemark gezogen um in der Nähe meines Sohnes, der Schwiegertochter und meinen vier Enkeln zu leben. End Januar habe ich mit der Sprachschule begonnen. Alle Kursteilnehmer sind 35 Jahre jünger … alle sprechen englisch …. ich so gut wie nicht :-/ – was aber auch von Vorteil sein kann, da ich so nicht von dänisch abschweifen kann 🙂 Das snakken klappt schon ganz gut … ich komme überall hin, wo ich hin will und ich bekomme alles, was ich brauche. Mein Gegenüber scheint allerdings oft der Meinung zu sein, dass ich ja schon gut spreche = gleich verstehe und legt dann los. Ja und dann geht es mir genauso wie dir … und es beginnen kurz darauf kleine Rauchwölkchen aus meinem Gehirn aufzusteigen :0

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